Aggressionen an der türkisch-griechischen Grenze Europa rüstet auf

Die Scharmützel zwischen der Türkei und Griechenland nehmen zu. An der Landgrenze sollen immer wieder Schüsse fallen. Nun verschärfen die Europäer ihre Sicherheitsvorkehrungen.
Griechische Soldaten an der Grenze zur Türkei: Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen

Griechische Soldaten an der Grenze zur Türkei: Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen

Foto: Giannis Papanikos/ dpa

Die Türkei und Griechenland sind Nato-Partner. Doch sie verhalten sich mehr und mehr wie Feinde. Beide Staaten haben an ihrer Landesgrenze militärisch aufgerüstet. Als Ende April ein deutscher Polizist gemeinsam mit griechischen Sicherheitskräften am Grenzfluss Evros patrouillierte, gab ein türkischer Soldat einen Schuss ab. Der SPIEGEL machten den Vorfall öffentlich.

In einem internen Bericht der europäischen Grenzschutzbehörde Frontex, die den Einsatz koordiniert, wurde geschildert, dass der deutsche Beamte nach dem Schuss in Deckung ging und einen türkischen Soldaten entdeckte, der mit seiner Waffe in Richtung der Grenzschützer zielte. Zudem soll er der griechisch-deutschen Patrouille den Mittelfinger gezeigt haben.

Die Bundesregierung hat sich nach SPIEGEL-Informationen inzwischen bei der Türkei über den Zwischenfall beschwert. Die Leitung des Auswärtigen Amts kritisierte den Vorgang kürzlich bei einem Gespräch mit dem türkischen Botschafter und forderte Aufklärung.

In einer Antwort der Regierung auf eine Frage der Grünen-Politikerin Irene Mihalic heißt es zu dem Zwischenfall am Evros: Es sei zwar "nicht feststellbar, ob gezielt in Richtung der Frontex- Beamten geschossen wurde". Trotzdem habe Berlin gegenüber der Türkei "Besorgnis über den Vorfall zum Ausdruck gebracht".

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Mihalic hätte sich von der Regierung noch schärfere Töne gewünscht: "Der türkischen Seite muss hinreichend klargemacht werden, dass ein solcher Vorfall nicht geduldet werden darf und scharf zurückgewiesen werden muss."

Frontex hat die Sicherheitsvorkehrungen mittlerweile offenbar verschärft. Frontex-Beamte seien unter anderem angehalten worden, auf Patrouillen verstärkt kugelsichere Westen zu tragen, berichten Offizielle, die mit dem Vorgang vertraut sind, dem SPIEGEL.   

Trotzdem soll es an der Grenze seither zu mindestens vier weiteren, ähnlichen Vorfällen gekommen sein. Das sagten griechische Sicherheitskräfte dem SPIEGEL. In einem Fall sollen türkische Soldaten von einem Boot aus in die Luft geschossen haben, um die Gegenseite einzuschüchtern.  

Frontex will die Mission in Griechenland mindestens bis zum 6. Juni fortsetzen, möglicherweise länger. In der Frontex-Zentrale in Warschau verfolgt man die Entwicklungen an der griechisch-türkischen Grenze mit Sorge.

Ende Februar hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan regelrechte Panik in Europa ausgelöst, als er die Grenze nach Griechenland vorübergehend einseitig öffnete. Tausende Migrantinnen und Migranten versuchten damals, nach Europa zu gelangen. Griechische Sicherheitskräfte hielten die Schutzsuchenden mit Tränengas und Wasserwerfern fern. 

DER SPIEGEL

SPIEGEL-Recherchen  legen nahe, dass griechische Soldaten zudem scharf auf Flüchtlinge geschossen und dabei mindestens einen Migranten getötet haben. Die griechische Regierung tut die Vorwürfe bis heute als "türkische Propaganda" ab. Mehr als hundert Abgeordnete des Europaparlaments haben in einem Brief an die EU-Kommission eine Untersuchung des Vorfalls gefordert. 

Die europäische Polizeibehörde Europol fürchtet, dass sich Szenen wie im Februar und März an der griechisch-türkischen Grenze schon bald wiederholen könnten. "Wir rechnen mit weiteren Versuchen (der türkischen Regierung), Migranten an die griechische Grenze zu lotsen", heißt es in einem Europol-Bericht.   

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