Greta Thunberg und Co. Klimaaktivistinnen werfen EU-Kommission "Betrug mit Zahlen" vor

Die EU-Kommission betreibe mit ihren Klimazielen Schönrechnerei, kritisierten vier prominente Aktivistinnen. Bei der Berechnung von Emissionen würden wichtige Aspekte vernachlässigt - etwa internationale Flüge.
Luisa Neubauer (v.l.), Greta Thunberg, Adélaïde Charlier und Anuna de Wever im August in Berlin

Luisa Neubauer (v.l.), Greta Thunberg, Adélaïde Charlier und Anuna de Wever im August in Berlin

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CLEMENS BILAN/EPA-EFE/Shutterstock

Erst kürzlich hat die EU-Kommission ihre Klimaziele verschärft: Mindestens 55 Prozent an Emissionen sollen bis 2030 und im Vergleich zu 1990 eingespart werden. Doch die ambitioniert wirkenden Vorgaben sind der Klimaschutzbewegung Fridays for Future nicht genug.

Prominente Aktivistinnen um die Schwedin Greta Thunberg werfen der EU bei den Klimazielen Schönrechnerei vor. Da das vorgeschlagene Ziel einer Emissionsverringerung um 55 Prozent auf dem Vergleichsjahr 1990 basiere, würden dabei die territorialen Rückgänge der vergangenen 30 Jahre - etwa 23 Prozent - mit eingerechnet. Das schreiben Thunberg, ihre deutsche Mitstreiterin Luisa Neubauer und die beiden Belgierinnen Adélaïde Charlier und Anuna de Wever in einem aktuellen Meinungsbeitrag auf der Onlineplattform "Medium" . Damit sei das 55-Prozent-Ziel der EU-Kommission gemessen an den Werten von 2018 in Wirklichkeit eher ein 42-Prozent-Ziel.

Hinzu komme, dass bei den vorgeschlagenen Emissionsminderungen nicht der internationale Flugverkehr, die Schifffahrt und auch nicht die Herstellung von Gütern außerhalb der EU dazugezählt werde, schreiben die vier Aktivistinnen. Große Teile der CO₂-Verringerungen seit 1990 seien darauf zurückzuführen, dass europäische Fabriken und ihre Ausstöße in andere Weltteile exportiert worden seien.

Ob ein in China hergestellter Laptop oder eine Jeans aus Bangladesch: Die bei der Produktion solcher Produkte entstandenen Emissionen tauchten überhaupt nicht auf EU-Seite auf, kritisierten sie. Und eine kurze Zugfahrt von Köln nach Aachen resultiere in mehr Emissionen in der EU-Zählung als ein Hin- und Rückflug nach Buenos Aires oder Bangkok.

"Die EU betrügt mit Zahlen - und klaut unsere Zukunft", schreiben Thunberg und ihre Mitstreiterinnen. Die Ziele und Statistiken der EU müssten letztlich alle EU-Emissionen beinhalten. Zugleich sei die Zeit der kleinen Schritte lange vorbei: Die vorgeschlagenen 55-, 60- und 65-Prozent-Ziele der EU bis 2030 entsprächen in keiner Weise den Zielen des Pariser Weltklimaabkommens.

mes/dpa