Auseinandersetzung unter Asylsuchenden Afghane auf Lesbos erstochen

Die Flüchtlingscamps auf Griechenlands Inseln sind überfüllt. Das führt zunehmend zu Spannungen zwischen den Bewohnern. Auf Lesbos ist es nun zu einem tödlichen Streit unter Afghanen gekommen.
Camp Moria auf Lesbos: In der für 3000 Menschen ausgelegten Anlage leben derzeit rund 17.000 Menschen

Camp Moria auf Lesbos: In der für 3000 Menschen ausgelegten Anlage leben derzeit rund 17.000 Menschen

Foto: Angelos Tzortzinis/ dpa

Die Bedingungen in Griechenlands Flüchtlingscamps sind dramatisch. Zuletzt kam es in den überfüllten Lagern auch vermehrt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen unter den Bewohnern. Nun ist ein afghanischer Asylsuchender in der Nähe des Flüchtlingslagers Moria auf der Insel Lesbos erstochen worden.

Der 21-Jährige sei ersten Erkenntnissen zufolge von drei Landsleuten angegriffen worden, die ebenfalls in dem Lager lebten, hieß es aus Ermittlerkreisen. Ein 19-Jähriger wurde nach dem Vorfall vom Sonntag festgenommen, ein zweiter Verdächtiger wurde identifiziert.

Seit Jahresbeginn wurden in dem Lager in Moria mindestens sieben Asylsuchende bei Auseinandersetzungen erstochen, darunter ein Minderjähriger und eine Frau. Ein Dutzend weitere Menschen wurden verletzt.

Die griechische Regierung hat die Corona-Ausgangsbeschränkungen für alle Flüchtlingslager bereits zum fünften Mal verlängert. Die Auflagen gelten nun bis zum 2. August. Mehrere Hilfsorganisationen verurteilten den Schritt. Für die Asylsuchenden sei die Gewalt in den Lagern "schlimmer als das Virus", erklärten sie.

Die griechischen Flüchtlingslager sind völlig überfüllt. In der für 3000 Menschen ausgelegten Anlage in Moria leben derzeit rund 17.000 Menschen.

Dutzende Migranten mit falschen Pässen in Griechenland festgenommen

Griechenland ist mit den Geflüchteten im Land zunehmend überfordert. Zwischenzeitlich hatte die Regierung in Athen wegen der Coronakrise das Asylrecht ausgesetzt. Innerhalb der EU gibt es noch immer keinen Konsens darüber, wie mit den Flüchtlingen umgegangen werden soll. Nun hat die griechische Polizei 56 Migranten festgenommen, die mit gefälschten Pässen und Ausweisen in andere EU-Staaten reisen wollten.

An den kretischen Flughäfen von Heraklion und Chania zeigten die 25 Männer und 31 Frauen gefälschte Reisedokumente vor, um nach Deutschland, Italien, Frankreich, Polen, in die Schweiz und die Niederlande zu kommen, teilte die griechische Polizei am Montag mit.

Während der Feriensaison werden in griechischen Flughäfen fast täglich Migranten mit gefälschten Dokumenten kurz vor dem Abflug gestoppt. Dies ist auch in dieser Saison so - trotz der wegen der Corona-Pandemie deutlich kleineren Zahl von Ferienflügen. Schleuser machten damit nach der weitgehenden Schließung der Balkanroute gute Geschäfte. Ein gefälschtes Reisedokument koste am Schleusermarkt je nach Qualität zwischen 500 und 3000 Euro, heißt es in Polizeikreisen.

asc/dpa/AFP
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