Unglück nahe Ferieninsel Dutzende Menschen nach Untergang von Migrantenboot bei Rhodos vermisst

Vor Griechenland ist ein Boot mit zahlreichen Geflüchteten gesunken, Rettungskräfte suchen das Gebiet ab. Bis zu 80 Menschen sollen an Bord gewesen sein.
Von Schutzsuchenden weggeworfene Rettungswesten – hier am Strand der Insel Lesbos

Von Schutzsuchenden weggeworfene Rettungswesten – hier am Strand der Insel Lesbos

Foto: YANNIS BEHRAKIS/ REUTERS

Nahe der griechischen Ferieninsel Rhodos ist ein Boot mit Schutzsuchenden verunglückt, Dutzende Menschen werden vermisst. Wie ein Sprecher der Küstenwache im griechischen Rundfunk mitteilte, konnten bislang 29 Menschen aus den Fluten gerettet werden. Insgesamt sollen jedoch nach Angaben der Geretteten rund 80 Menschen an Bord des untergegangenen Bootes rund 40 Seemeilen südlich von Rhodos gewesen sein.

Die Rettungsaktion werde durch Winde der Stärke sechs erschwert. An der Such- und Rettungsaktion nehmen neben Patrouillenbooten der Küstenwache ein Schiff der griechischen Kriegsmarine, drei vorbeifahrende Frachter und ein Hubschrauber teil. Die meisten der geretteten Menschen – alle Männer – stammen aus Afghanistan, hieß es weiter seitens der Küstenwache.

Das Boot war den Behörden zufolge in der Türkei gestartet und sollte die Menschen nach Italien bringen. Entlang dieser langen und wegen der Winde sehr gefährlichen Route kommt es auf den oft veralteten Booten immer wieder zu Schäden. In diesem Jahr wurden bereits etliche Boote manövrierunfähig, schlugen Leck oder liefen auf Grund. Dabei kamen auch Menschen ums Leben.

»Wenn wir da wegschauen, gehen unsere Werte im Mittelmeer unter«

Die Ägäis bleibt im Mittelmeer eine der gefährlichsten Routen für Schutzsuchende: Laut Flüchtlingshilfswerk UNHCR gelang seit Jahresbeginn rund 6.250 Menschen der Grenzübertritt in Nordostgriechenland oder die Überfahrt per Boot von der türkischen Westküste zu den griechischen Inseln. Dabei gab es auch immer wieder Bootsunglücke und Tote. Athen und Ankara schieben sich für diesen Zustand gegenseitig die Schuld zu.

Nach Recherchen des SPIEGEL war die griechische Küstenwache in der Vergangenheit mehrfach daran beteiligt, Flüchtende illegal zurück ins Meer zu drängen. Die EU-Grenzschutzagentur Frontex hat dabei bewusst weggesehen. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) hat nach den SPIEGEL-Veröffentlichungen eine konsequente Klärung der neuen Vorwürfe gegen Frontex gefordert. »Wenn wir da wegschauen, gehen unsere Werte im Mittelmeer unter«, warnte sie.

mrc/dpa
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