Erdogan-Drohung Griechenland erhöht Alarmbereitschaft an Grenze zur Türkei
Griechische Polizeikontrolle am Fluss Evros
Foto: Byron Smith / Getty ImagesDer griechische Generalstab (GEETHA) hat am Freitag bei einer außerordentlichen Sitzung eine erhöhte Alarmbereitschaft für die See- und Landesgrenzen zur Türkei beschlossen. Das berichtete die Tageszeitung »Kathimerini«. Anlass war eine indirekte Drohung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan am Vortrag. »Ich wüsste nicht, was Griechenland tun würde, wenn wir die Tore öffnen würden«, hatte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán mit Blick auf die Migrationsproblematik gesagt.
Der griechische Generalstab beschloss die verstärkte Überwachung der Grenzen sowie sofortige Meldungen von Vorfällen, die auf eine Zunahme illegaler Migration schließen lassen. Athen hatte die Aussage Erdoğans zuvor bereits scharf kritisiert. »Wenn Griechenland von Ländern bedroht wird, die verzweifelte Menschen benutzen, um geopolitische Ziele zu erreichen, werden wir immer entschlossen reagieren«, sagte Regierungssprecher Giannis Oikonomou.
Hintergrund ist die Evros-Krise: Im Februar 2020 hatte Erdoğan einseitig die türkische Grenze entlang des Flusses Evros zum Nordosten Griechenlands für geöffnet erklärt, woraufhin Tausende Menschen sich auf den Weg in die EU machen wollten. Griechische Sicherheitskräfte verhinderten damals die meisten Übertritte, die EU schickte Beamte der Europäischen Grenzschutzagentur Frontex.
Erdoğan bezichtigt Griechenland, Boote zu zerstören
Bei der Pressekonferenz hatte Erdoğan Griechenland außerdem vorgeworfen, Boote mit Geflüchteten in der Ägäis absichtlich zu zerstören, und so zum Sinken zu bringen. Dafür habe die Türkei Beweise, sagte er.
Der griechische Regierungssprecher Giannis Oikonomou erklärte daraufhin, Griechenland sei ein Rechtsstaat, schütze seine Grenzen und die der EU und rette Menschenleben auf See.
Griechenland und die Türkei werfen einander regelmäßig vor, sich nicht an das Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und Ankara zu halten. Es wurde im März 2016 geschlossen und sieht vor, dass die Türkei die Zahl der Zuwanderer begrenzt, die über ihr Gebiet in die EU kommen. Im Gegenzug erhält die Türkei EU-Finanzhilfen in Milliardenhöhe.