Ein Jahr nach Moria-Brand Hilfsorganisationen kritisieren neue Lager auf griechischen Inseln

Vor einem Jahr brannte das Flüchtlingslager Moria ab. Seither habe man nichts gelernt, kritisieren nun Dutzende Hilfsorganisationen. Die geplanten neuen Camps zielten darauf ab, Helfern den Zugang zu Geflüchteten zu erschweren.
Nach dem Feuer: Vor einem Jahr brachen mehrere Brände im Lager Moria auf Lesbos aus

Nach dem Feuer: Vor einem Jahr brachen mehrere Brände im Lager Moria auf Lesbos aus

Foto: Angelos Tzortzinis / AFP

Die Bilder gingen um die Welt: Vor einem Jahr brach im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos ein verheerendes Feuer aus. Tausende Menschen wurden über Nacht obdachlos. Zum Jahrestag der Katastrophe hat ein Verbund aus 45 Hilfsorganisationen die griechische Migrationspolitik auf den Inseln des Landes kritisiert.

Auch ein Jahr nach dem Brand von Moria sei nichts gelernt worden, teilte die Dachorganisation Europe must act (EMA) mit. Die geplanten neuen Flüchtlingslager auf den Inseln zielten darauf ab, die Bewegungsfreiheit von Migranten einzuschränken und Hilfsorganisationen den Zugang zu den Menschen zu erschweren.

Die griechischen Behörden verfolgten eine »schädliche Politik zur Abschreckung und Eindämmung von Asylbewerbern und Flüchtlingen«, kritisierten die Helfer, darunter örtliche Rechtsanwälte und Solidaritätsvereine, aber auch internationale Gruppierungen. Auch die EU sei beteiligt, weil sie die Bauvorhaben der Lager auf den Inseln mit 250 Millionen Euro unterstütze.

»Geschlossenes Zentrum mit kontrolliertem Zugang« auf Samos

Auf Samos wird am 18. September ein erstes solches Lager eröffnet; auf Chios und Lesbos sollen die Lager im Laufe des nächsten Jahres fertiggestellt werden. Kritisiert wird, dass die Anlagen weitab der Insel-Infrastruktur lägen und die Menschen sie nicht ohne Weiteres verlassen dürften. Das griechische Migrationsministerium bezeichnet die Einrichtung auf Samos als »geschlossenes Zentrum mit kontrolliertem Zugang«.

Die griechische Regierung hatte erst Ende vergangenen Jahres die Kritik freiwilliger Helfer auf sich gezogen, als sie ein Gesetz verabschiedete, das deren Aktivitäten stark einschränkt. Demnach dürfen Helfer nur zur Seenotrettung antreten, wenn die griechische Küstenwache keine Kapazitäten hat, und müssen alle Aktivitäten melden. Das begründet die Regierung damit, dass die Aktionen mancher Flüchtlingshelfer aus dem Ruder gelaufen seien. So gab es immer wieder Vorwürfe, Helfer würden zu Migranten in der Türkei Kontakt aufnehmen, um sie jenseits der Küstenwache zu den Inseln zu lotsen.

asc/dpa
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