Griechenland verschärft Migrationspolitik »Ich habe das Gefühl, in einem Gefängnis zu sein«

Das Camp Ritsona für Geflüchtete ist ein Symbol für die verschärfte Politik Griechenlands: Es ist durch eine Betonmauer von der Außenwelt abgeschottet. Besonders die Kinder leiden unter den Zuständen im Lager.
DER SPIEGEL

Hier wird die verschärfte Flüchtlingspolitik Griechenlands sichtbar: Das Camp Ritsona, eine Autostunde nördlich von Athen, ist durch eine Betonmauer abgeriegelt, mittlerweile wirkt es wie eine Festung.

Notis Mitarachi, griechischer Migrationsminister:
»Unsere Politik ist streng, aber fair. Wir müssen dafür sorgen, dass die Regeln in den Camps eingehalten werden. Damit schützen wir die, die im Camp leben, für die es ein vorübergehendes Zuhause ist. Und wir schützen die Mitarbeiter und die örtliche Gemeinschaft.«

Im Camp Ristona gibt es Läden für den täglichen Bedarf, einen Schlachter und ein Café mit arabischer Musik. Die Mauern schützen vielleicht vor Gefahr von außen - aber sie verhindern auch eine Integration vor Ort.

Amir, geflüchtet aus Afghanistan: »Sie trennen uns von anderen Gemeinschaften und machen uns einsam. Wir bekommen das Gefühl, wir seien ganz andere Menschen als die Griechen hier.«

Parwana Amiri, geflüchtet aus Afghanistan:
»Die Mauern engen uns ein. Ich habe das Gefühl in einem Gefängnis zu sein, das ist hart.«

Die Bewohner des Camps leider unter der Abriegelung, die Traumata aus Kriegen und Konflikten noch verstärken kann. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen befürchtet eine humanitäre Krise. Die Mediziner behandeln mehr als 1300 Flüchtlinge in den griechischen Auffanglagern wegen psychischer Probleme, ein Drittel davon sind Kinder.

Christina Psarra, Ärzte ohne Grenzen:
»Es gab hier sogar ein sechsjähriges Kind mit Suizidgedanken. Alle Kinder wollen in einer sicheren Umgebung leben. Was man hier sieht, lässt sich nicht ansatzweise mit einem sicheren und friedlichen Ort vergleichen.«

Migrationsminister Mitarachi verteidigt die härteren Maßnahmen mit der fehlenden Hilfe durch die EU. Griechenland und andere Mittelmeerländer würden bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise alleingelassen. Nun setzt die Regierung verstärkt auf Grenzkontrollen – wie hier im vergangenen Jahr am Fluss Evros – und will auf den Inseln Samos und Lesbos weitere geschlossene Camps errichten.

Im vergangenen Jahr hatte ein Feuer das Camp Moria auf der Insel Lesbos zerstört und die dramatische Situation der Flüchtlinge wochenlang in den Fokus gerückt. Auch die Zurückweisung von Flüchtlingsbooten an den Küsten durch die griechische Küstenwache wurde scharf kritisiert. Die Regierung wies die Vorwürfe zurück und betonte, Griechenland wolle kein Einfallstor nach Europa für Schmuggler sein. Im Juni bezeichnete sie die Türkei als sicheres Land für Asylsuchende – was es Migranten noch schwerer macht, in Griechenland Asyl zu erhalten und dauerhaft in Europa bleiben zu können.

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