Russischer Angriffskrieg Großbritannien bewaffnet Ukraine mit Mehrfachraketenwerfer

Nicht nur die USA, sondern auch die Briten wollen nun Mehrfachraketenwerfer mit hoher Reichweite an die ukrainische Armee liefern. Die Präzisionswaffen sollen eine Reichweite von 80 Kilometern haben.
M-270-Raketensystem (Archivbild)

M-270-Raketensystem (Archivbild)

Foto: Handout/ Getty Images

Trotz deutlicher Warnungen von Russlands Staatschef Wladimir Putin will Großbritannien die Ukraine erstmals mit Mehrfachraketenwerfer mit hoher Reichweite unterstützen. Das Verteidigungsministerium in London teilte am Montag mit, die Lieferung des in den USA produzierten Mehrfachraketenwerfer-Artilleriesystems (MLRS) an die Ukraine sei eng mit der Regierung in Washington abgestimmt.

Putin hatte am Sonntag die westlichen Staaten ermahnt, der Ukraine keine Langstreckenraketen zu liefern. Andernfalls »werden wir die entsprechenden Schlussfolgerungen ziehen und unsere Waffen einsetzen (...), um Objekte zu treffen, die wir bisher nicht getroffen haben«, sagte er nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen. Genauere Angaben zu potenziellen Ziele machte er demnach nicht.

Trotzdem wurde nun die geplante Lieferung der Mehrfachraketenwerfer vom Typ M270 durch die Briten verkündet. Diese bedeute »einen deutlichen Schub für die Fähigkeiten der ukrainischen Armee«, hob das britische Verteidigungsministerium hervor.

Das Waffensystem kann Ziele in bis zu 80 Kilometern Entfernung mit präzisionsgelenkten Raketen treffen. Großbritannien will ukrainische Soldaten auch im eigenen Land für den Einsatz mit den komplizierten Gerätschaften schulen.

Reichweite offenbar etwas größer als bei russischen Raketen

Die USA hatten bereits vergangene Woche angekündigt, der Ukraine ihr mobiles Artillerie-Raketensystem Himars zu liefern, dass zeitgleich mehrere präzisionsgelenkte Raketen abschießen kann und die bisherigen ukrainischen Waffensysteme in Reichweite und Präzision übertrifft.

Mit bis zu 80 Kilometern ist ihre Reichweite Militärexperten zufolge etwas größer als die Reichweite ähnlicher russischer Systeme. So könnten die Kiewer Streitkräfte feindliche Artillerie treffen, ohne in deren Reichweite zu geraten.

Die Lieferung von Raketensystemen mit noch größerer Reichweite hatte US-Präsident Joe Biden trotz entsprechender Forderungen aus Kiew allerdings abgelehnt. Kremlchef Putin warnte, westliche Waffenlieferungen führten allgemein lediglich dazu, dass der Konflikt in der Ukraine in die Länge gezogen werde. Am Wochenende gab es zum ersten Mal seit Wochen wieder russischen Beschuss in Kiew. Laut Kreml richtete sich die Attacke gegen westliche Waffenlieferungen.

Schutz der Ukrainer verbessern

Der britische Verteidigungsminister Ben Wallace sprach sich dennoch für weitere Waffenlieferungen an die Ukraine aus, damit diese den Krieg gegen Russland »gewinnen« könne. »Das Vereinigte Königreich steht in diesem Kampf an der Seite der Ukraine und übernimmt eine Führungsrolle bei der Belieferung ihrer heldenhaften Truppen mit den entscheidenden Waffen, die sie für die Verteidigung ihres Landes gegen eine nicht provozierte Invasion brauchen«, erklärte Wallace.

»Wenn sich Russlands Taktik ändert, muss sich auch unsere Unterstützung für die Ukraine ändern«, fügte der britische Verteidigungsminister hinzu. Die nun zugesagten Mehrfahrraketenwerfer sollten den Schutz der Ukrainer verbessern »gegen den brutalen Einsatz von Langstrecken-Artillerie, die Putins Truppen wahllos eingesetzt haben, um Städte platt zu machen«.

Die britische Regierung hat der Ukraine bislang 750 Millionen Pfund (874 Millionen Euro) an militärischer Unterstützung zugesagt. Die Hilfen umfassen unter anderem die Lieferung von Luftabwehrsystemen, Tausenden Anti-Panzer-Raketen und Hunderten gepanzerten Fahrzeugen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung hieß es, Großbritannien wolle der Ukraine Langstreckenraketen liefern. Es handelt sich aber um Mehrfachraketenwerfer. Wir haben die Passage korrigiert.

jok/mel/AFP/dpa