Angebliche Reaktion auf »Partygate« Johnson beantwortete Frage zu seiner politischen Zukunft mit »I will survive«

Guto Harri soll als neuer Kommunikationschef das Image der britischen Regierung polieren. Eigenen Angaben zufolge hat er Premier Johnson nach dessen politischer Zukunft gefragt – und eine Partyhymne als Antwort bekommen.
Boris Johnson

Boris Johnson

Foto:

Peter Nicholls / dpa

Der britische Premierminister Boris Johnson ist für seinen speziellen Humor bekannt. Mal witzelt er über angeblich kompromittierende Videoaufnahmen beim israelischen Geheimdienst, ein anderes Mal sorgt er mit einer bizarren Rede für Schlagzeilen, in der das Comicschwein Peppa Wutz eine tragende Rolle spielt. Nun hat Johnson seinem neuen Kommunikationschef offenbar eine Kostprobe seiner berüchtigten Comedy-Einlagen gewährt.

Guto Harri berichtete dem walisischsprachigen Nachrichtenportal »Golwg360«, dass er den konservativen Regierungschef als Erstes gefragt habe: »Wirst du das überstehen, Boris?« (»Are you going to survive, Boris?«). Daraufhin habe der Premier angefangen, den berühmten Song von Gloria Gaynor von sich zu geben: »I Will Survive«. Der Premier habe ihm signalisiert weiterzumachen. Harri habe »You've got all your life to live« (»Du hast dein ganzes Leben vor dir«) gesungen und Johnson mit »I've got all my love to give« (»Ich habe meine ganze Liebe zu geben«) geantwortet. Im Originaltext heißt es: »I've got all my life to live« (»Ich habe mein ganzes Leben vor mir«).

Johnson steht wegen mehrerer Lockdownpartys unter Druck. Harri soll nun die Außendarstellung der Regierung verbessern, die schweren Schaden genommen hat. Als Johnson auf die Anekdote angesprochen wurde, lachte er lediglich. Ein Regierungssprecher sagte später, der Premierminister kommentiere private Unterhaltungen nicht.

»Er ist kein kompletter Clown«

Harri sagte zudem über seinen neuen Chef: »Er ist kein kompletter Clown, er ist ein sehr liebenswürdiger Charakter. 90 Prozent unserer Diskussion sind sehr ernsthaft, aber er ist ein Charaktertyp und hat auch mal Spaß. Er ist nicht der Teufel, als den ihn einige falsch charakterisiert haben.«

Johnson hatte vergangene Woche im britischen Unterhaus für Verfehlungen im Zusammenhang mit Lockdownpartys um Verzeihung gebeten – und zugleich einen Rücktritt abgelehnt. »Ich möchte Entschuldigung sagen«, erklärte er im Londoner Unterhaus. Das sei aber nicht genug, da etliche Menschen in der Pandemie große Opfer gebracht und sich an die Regeln gehalten hätten, führte Johnson weiter aus. »Ich verstehe die Wut, die die Menschen empfinden.«

Ein Untersuchungsbericht zur »Partygate«-Affäre hatte den Verantwortlichen im britischen Regierungssitz schwere Verfehlungen bei der Einhaltung von Regeln vorgeworfen. Die Verantwortlichen hätten es versäumt, sich an Standards zu halten, die zur Zeit des Coronalockdowns nicht nur von der Regierung, sondern von der gesamten Bevölkerung verlangt worden seien, hieß es in dem Bericht. Zuletzt hatten sogar mehrere Abgeordnete seiner Konservativen Partei einen Rücktritt von Johnson gefordert. Dieser tauschte kürzlich mehrere Berater aus, um Führungsstärke zu demonstrieren.

asc/dpa/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.