Rücktrittswelle im Team des Premiers Boris Johnson ernennt neuen Stabschef

Zuletzt wurde es einsam um Boris Johnson: Mehrere Mitglieder verließen Downing Street 10, darunter seine langjährige Beraterin Munira Mirza. Nun hat der britische Premier wichtige Posten neu besetzt.
Boris Johnson Anfang Februar

Boris Johnson Anfang Februar

Foto: Jason Cairnduff / AP

Der britische Premierminister Boris Johnson hat einen neuen Stabschef ernannt. Steve Barclay, ehemaliger Brexit-Minister unter Theresa May, wird den Posten übernehmen, wie die britische Regierung am Samstag bekannt gab.

Barclay selbst äußerte sich auf Twitter. Es sei eine Ehre, den Posten zusätzlich zu seinen bisherigen Aufgaben als Minister für Kabinettsangelegenheiten zu übernehmen.

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Nach übereinstimmenden Medienberichten  soll der ehemalige BBC-Journalist Guto Harri zudem Johnsons neuer Kommunikationsdirektor werden. Harri hat bereits für Johnson als Sprecher gearbeitet, als dieser noch Bürgermeister von London war.

Rücktrittswelle in Johnsons Team

Insgesamt fünf enge Mitarbeiter Johnsons hatten zuletzt innerhalb weniger Stunden ihren Rückzug verkündet. Neben Stabschef Dan Rosenfield und Kommunikationschef Jack Doyle trat auch Johnsons politische Beraterin Munira Mirza zurück, sie hatte insgesamt 14 Jahre für Johnson gearbeitet.

Munira Mirza und Boris Johnson im Dezember 2020: Schluss nach 14 gemeinsamen Jahren

Munira Mirza und Boris Johnson im Dezember 2020: Schluss nach 14 gemeinsamen Jahren

Foto: DANIEL LEAL / AFP

Johnson hatte Oppositionführer Keir Starmer am vergangenen Montag im Parlament vorgeworfen, in seiner Zeit als Leiter der Staatsanwaltschaft nicht gegen den pädophilen BBC-Moderator Jimmy Savile ermittelt zu haben. Savile gilt als einer der schlimmsten Sexualverbrecher der britischen Geschichte. Er starb 2011, ohne je für seine Taten strafrechtlich belangt worden zu sein. Starmer war zwar damals im Amt, hatte aber mit dem Fall Savile nichts zu tun.

Mirza warf Johnson in einem Kündigungsbrief eine »unangemessene« Referenz zu einem entsetzlichen Missbrauchsfall vor, für die es keine »faire oder vernünftige Grundlage« gebe.

Partygate-Affäre schwelt weiter

Johnson steht wegen der sogenannten Partygate-Affäre unter enormem Druck. Ein Untersuchungsbericht wirft den Verantwortlichen in Downing Street Führungsversagen und Regelbrüche vor, außerdem ermittelt die Polizei. In Downing Street hatten während des britischen Lockdowns mehrere gesellige Treffen stattgefunden, es wurde mitunter getrunken, gegrölt und getanzt.

Die entscheidende Frage ist, wie viel Rückhalt Johnson noch in seiner eigenen Partei genießt. Einige Abgeordnete haben Johnson bereits schriftlich ihre Unterstützung entzogen. Mit Nick Gibb forderte am Freitag der nächste Tory  den Premier zum Rücktritt auf. Andere, darunter Kulturministerin Nadine Dorries, verteidigten Johnson. Die große Mehrheit der Partei stehe hinter ihm, so Dorries .

slü/Reuters
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