Kritik an Frauenfeindlichkeit in britischer Regierung Bericht über Sexisten-Ehrung – Premier Johnson unter Druck

Bei einer Weihnachtsfeier in Downing Street soll einem Bericht zufolge der »Sexist des Jahres« gekürt worden sein. Großbritanniens Opposition verlangt Antworten.
Boris Johnson

Boris Johnson

Foto: NEIL HALL / EPA

Eine Debatte über Frauenfeindlichkeit und Sexismus erschüttert das britische Parlament. Premierminister Boris Johnson gerät dabei zunehmend unter Druck. Vize-Oppositionschefin Angela Rayner forderte in einem auf Twitter veröffentlichten Brief an den Regierungschef eine Erklärung zu einer angeblichen »Sexist des Jahres« -Auszeichnung. Einem Bericht der »Sunday Times«  zufolge soll der Preis bei einer Weihnachtsfeier in der Downing Street verliehen worden sein.

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»Sie sind letztlich verantwortlich für die Kultur und die Aktivitäten, die unter Ihrer Führung in der Downing Street stattfinden«, schrieb die Labour-Politikerin Rayner. Johnson habe gerade erst öffentlich gesagt, es gebe keinen Raum für Sexismus in der Politik. Nur wenige Tage später würden neue Details darüber bekannt, dass sexistisches Verhalten nicht nur stattfinde, sondern auch noch gewürdigt werde, kritisierte Rayner.

Dutzende Beschwerden wegen sexuellen Fehlverhaltens

Der Sprecher des Unterhauses, Lindsay Hoyle, hat kürzlich eine »radikale« Reform der Arbeitskultur im Parlament angekündigt, nachdem etliche Skandale öffentlich geworden waren. Wie kürzlich bekannt wurde, geht die interne Beschwerdestelle im Parlament derzeit Vorwürfen gegen mindestens 56 Abgeordnete wegen sexuellen Fehlverhaltens nach. Am Wochenende war zudem ein Abgeordneter zurückgetreten, nachdem er beim Pornoschauen im Unterhaus erwischt worden war.

Der Tory-Politiker Neil Parish räumte am Samstag ein, im Unterhaus einen Sexfilm angesehen zu haben. »Ich glaube, ich muss komplett von allen guten Geistern verlassen gewesen sein«, sagte Parish der BBC. Der Zeitpunkt, zu dem er den Porno angesehen habe, sei ein »Moment der Verrücktheit und auch komplett falsch« gewesen. Parish, der seit 2010 Mitglied des britischen Parlaments ist, war wegen des Vorfalls am Freitag von seiner konservativen Fraktion suspendiert worden. Zuvor hatten mindestens zwei Abgeordnete Beschwerde gegen ihn eingereicht.

Außerdem sorgte ein Zeitungsbericht für Empörung, in dem Rayner von anonymen Tory-Quellen vorgeworfen wurde, Johnson im Parlament gezielt mit ihren Beinen abzulenken. Die Vize-Oppositionschefin forderte Johnson in ihrem offenen Brief nun auf, sich dazu zu äußern, was er gegen sexistisches Verhalten unternehmen wolle.

dpa/AFP/asc