Aus für Maskenpflicht und Impfnachweis Premier Johnson hebt Coronaschutzmaßnahmen auf

Die Abgeordneten wollten ihn wegen seiner Lockdownpartys grillen. Doch der britische Premier Johnson nutzte die Bühne im Parlament – und kündigte das baldige Ende der Coronabeschränkungen in Großbritannien an.
Premier Boris Johnson im Parlament

Premier Boris Johnson im Parlament

Foto: - / AFP

Der britische Premier Boris Johnson steht nach Lockdownpartys mächtig unter Druck. Doch eine Aussprache im britischen Parlament nutzte Johnson nun, um großzügig vorher verhängte Coronamaßnahmen zu streichen. Die Menschen in Großbritannien müssten ab Donnerstag kommender Woche keine Masken mehr tragen, verkündete Johnson. Die Maskenpflicht in den Schulen werde bereits zum morgigen Donnerstag gestrichen.

In Großbritannien soll ab Ende kommender Woche nicht mehr »Plan B«, sondern nur noch »Plan A« gelten – also eine weitestgehende Aufhebung von Coronabeschränkungen. Auch das Arbeiten von zu Hause erklärte Johnson damit für beendet. Wer wolle, dürfe nun wieder ins Büro. Auch das Vorzeigen von Impfnachweisen werde überflüssig.

Bereits im vergangenen Juli hatte Johnson einen »Freedom Day« und die Aufhebung beinahe aller Schutzmaßnahmen ausgelobt. Zu dem Zeitpunkt lag die Impfquote im Land noch nicht hoch genug, eine gravierende neue Coronawelle brachte die Kliniken im Land ab Herbst an den Rand des Zusammenbruchs.

Nun regte Johnson an, dass auch Quarantäneregeln für Infizierte bald beendet werden könnten, nannte dazu aber noch keinen Zeitplan. Das Aus der meisten aktuellen Maßnahmen begründete er mit einem »willkommenen Rückgang« der täglichen Infektionszahlen.

Im Dezember war Großbritannien als eines der ersten Länder in Europa von der Omikron-Welle überrollt worden. Anfang Januar lag die Sieben-Tage-Inzidenz beinahe bei 2000 Infizierten auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Laut Statistikamt war bald jeder Zehnte auf der Insel mit Corona infiziert, Kliniken riefen den Notstand aus.

Ablenken von »Partygate«

Nun zeichnet sich bei der Zahl der Krankenhauseinweisungen ein Abwärtstrend ab. Auch die Welle der Neuinfektionen ist wieder abgeflaut. Trotzdem liegen sie noch immer auf einem vergleichsweise hohen Niveau: Am Dienstag wurden rund 94.400 Neuinfektionen in dem Land mit etwa 67 Millionen Einwohnern gemeldet.

In der turbulenten Debatte im britischen Parlament ging es eigentlich nicht vorrangig um die Coronapolitik von Johnson – sondern um mögliche Konsequenzen aus seinem »Partygate«-Skandal. Während des Lockdowns hatte es mehrere Feiern in seinem Amtssitz gegeben.

Bei Labour wie auch bei Mitgliedern von Johnsons eigener Partei, den Tories, wurden nun Rücktrittsforderungen laut. Johnson selbst lehnte das ab, er werde den Bericht einer internen Untersuchung abwarten, der nächste Woche erscheinen werde, sagte Johnson im Parlament. Erneut wich der Premier konkreten Fragen nach dem Ablauf der Lockdownpartys aus.

mrc