Großbritannien Boris Johnson verleiht seinem Bruder Platz im House of Lords

Die Opposition beschwert sich über "die schlimmste Art von Vetternwirtschaft": Premier Johnson will seinen Bruder ins britische Oberhaus befördern. Ex-Speaker John Bercow steht nicht auf der Liste.
Jo Johnson: Nutznießer von Vetternwirtschaft?

Jo Johnson: Nutznießer von Vetternwirtschaft?

Foto: Alberto Pezzali/ AP

Großbritanniens Premier Boris Johnson will seinem Bruder Jo einen Sitz im britischen Oberhaus verschaffen. Der Tory-Politiker findet sich auf einer Liste von 36 Nominierungen für einen Sitz im House of Lords, die am Freitag von der Regierung in London veröffentlicht wurde.

Unter den 36 künftigen Lords findet sich auch Philip May, Ehemann von Johnsons Vorgängerin Theresa May. Er wird zudem "für politische Verdienste" zum Ritter ernannt. Nicht unter den Nominierten ist hingegen der langjährige Vorsitzende des Unterhauses, John Bercow. Er ist der erste "Speaker" in mehr als zwei Jahrhunderten, dem diese Ehre nicht zuteil wird. Grund sollen Mobbing- und Belästigungsvorwürfe sein, denen Bercow stets widersprochen hat.

Oppositionspolitiker kritisierten die Nominierungsliste der Regierung scharf. Der Abgeordnete Pete Wishart von der Scottish National Party warf Premier Johnson "die schlimmste Art von Vetternwirtschaft" vor. Er habe "Freunde und diejenigen, die ihm einen Gefallen getan haben", mit Jobs auf Lebenszeit versorgt.

House of Lords wächst immer weiter

Das House of Lords wird nun mehr als 800 Mitglieder umfassen. Oberhaus-Sprecher Peter Fowler bezeichnete die Liste als "verpasste Gelegenheit". Er hatte empfohlen, seine Kammer auf maximal 600 Mitglieder zu verkleinern. Bereits seit Jahren gilt das Oberhaus als überfüllt. Die Würdenträger können zwar zurücktreten oder in den Ruhestand gehen, behalten ihren Posten ansonsten aber auf Lebenszeit.

Im Zwei-Kammer-System des britischen Parlaments ist es die Aufgabe der Lords im Oberhaus, die vom Unterhaus beschlossenen Gesetze zu überprüfen und gegebenenfalls Änderungen zu empfehlen. Der Staat nutzt so die Expertise und Erfahrung ehemaliger Spitzenbeamter, Minister und Manager.

ptz/AFP
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