Angriff auf die Ukraine Großbritannien wirft Putin Kriegsverbrechen vor

Applaus für den ukrainischen Botschafter im Unterhaus – und eine klare Aussage: Wladimir Putin hat laut britischer Regierung Kriegsverbrechen begangen. Die Weltgesundheitsorganisation sieht ebenfalls Indizien dafür.
Boris Johnson und Mitglieder seiner Regierung applaudieren dem ukrainischen Botschafter

Boris Johnson und Mitglieder seiner Regierung applaudieren dem ukrainischen Botschafter

Foto: - / AFP

Raketenangriffe auf Wohnviertel, Verwaltungsgebäude, Schulen, Krankenhäuser: Aus der Ukraine kursieren viele Meldungen über russische Angriffe gegen zivile Ziele – obwohl das Regime von Wladimir Putin noch immer behauptet, man greife nur militärische Ziele an. Nicht nur Großbritannien sieht dies längst als widerlegt an.

Die Regierung in London wirft dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vor, bei den russischen Angriffen Kriegsverbrechen begangen zu haben. »Was wir schon jetzt von Wladimir Putins Regime gesehen haben, bezüglich der Nutzung von Kampfmitteln, die sie bereits auf unschuldige Zivilisten abgeworfen haben, das erfüllt aus meiner Sicht bereits vollkommen die Bedingungen eines Kriegsverbrechens«, sagte Premierminister Boris Johnson im britischen Unterhaus.

Bei der Sitzung war Wadym Prystajko, der ukrainische Botschafter in Großbritannien, auf der Zuschauertribüne anwesend. Die Abgeordneten erhoben sich für ihn zum Applaus.

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Ein Regierungssprecher ergänzte später, formal sei es Sache internationaler Gerichte, die Frage möglicher Kriegsverbrechen zu klären. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hat am Dienstag angekündigt, eine Untersuchung der Ereignisse in der Ukraine vorzunehmen.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird sich mit dem Thema befassen. Man sei tief besorgt über bislang unbestätigte Berichte über Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen in der Ukraine. Bislang sei ein Fall bestätigt worden, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Vergangene Woche sei ein Krankenhaus unter Beschuss geraten. Dort seien vier Menschen getötet und zehn verletzt worden. Berichte über weitere Angriffe würden noch geprüft. Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen verstießen gegen das internationale Völkerrecht, sagte Ghebreyesus.

Am Donnerstag sollen die ersten von der WHO organisierten Hilfsgüter in Polen eintreffen. Dabei handele es sich um 36 Tonnen mit Material für Erste Hilfe und Notoperationen sowie andere Medikamente und Artikel für die Versorgung von 150.000 Menschen. Die WHO sei seit vielen Jahren in der Ukraine, sagte Nothilfekoordinator Mike Ryan. Schon vor dem russischen Einmarsch seien 23 Krankenhäuser mit Gesundheitsmaterial versorgt worden. Das WHO-Lager in Kiew könne aber derzeit nicht erreicht werden.

Die WHO hat einen Spendenaufruf im Umfang von 45 Millionen Dollar (40,5 Millionen Euro) für die Ukraine und 12,5 Millionen Dollar für die Nachbarländer gestartet, um den vom Krieg betroffenen Menschen zu helfen.

ulz/dpa/Reuters
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