Großbritannien Johnsons Kommunikationschef Lee Cain tritt zurück

Angeblich sollte er befördert werden, doch nun ist Schluss: Boris Johnsons Kommunikationschef Lee Cain gibt sein Amt zum Jahresende auf. Laut Medienberichten wird bereits über seine Nachfolge gestritten.
Johnson-Vertrauter Lee Cain: Jobaufgabe ohne Angabe von Gründen

Johnson-Vertrauter Lee Cain: Jobaufgabe ohne Angabe von Gründen

Foto: Frank Augstein / AP

Der Kommunikationschef des britischen Premierministers Boris Johnson tritt zurück. Er werde seinen Posten Ende des Jahres verlassen, teilte Lee Cain am Mittwochabend mit.

"Es war ein Privileg, die letzten drei Jahre als Berater für Herrn Johnson zu arbeiten und Teil des Teams zu sein, das ihm geholfen hat, die Führung der Tory-Partei zu gewinnen und die größte konservative Mehrheit in drei Jahrzehnten zu sichern", sagte Cain. Gründe für seinen Rücktritt nannte er nicht.

Als Huhn verkleidet für den "Daily Mirror", dann "Vote Leave"

Cain ist ein enger Vertrauter des Johnson-Beraters Dominic Cummings. Beide sind Weggefährten Johnsons aus dem Wahlkampf um das Brexit-Referendum im Jahr 2016, bei dem die Briten knapp für einen Austritt aus der EU gestimmt hatten.

Der ehemalige Journalist Cain hatte in der Vergangenheit einen Seitenwechsel vollzogen. Im Wahlkampf 2010 folgte er noch als Huhn verkleidet für das linke Boulevardblatt "Daily Mirror" konservativen Politikern bei Wahlkampfauftritten und machte sich über sie lustig. Später wechselte er zur Brexit-Kampagne "Vote Leave".

Cain zwischenzeitlich als neuer Stabschef im Gespräch

Der Kommunikationschef Cain soll laut einem Bericht der "Times" zeitweise als neuer Stabschef Johnsons gehandelt worden sein, was allerdings auf Unmut bei Ministern, Beratern und Abgeordneten gestoßen sein soll.

Johnson-Berater Cummings soll über den Abgang Cains laut dem "TimesRadio"-Journalisten Tom Newton Dunn indes "sehr unglücklich" sein und zeitweise selbst seinen Rücktritt erwogen haben. Nach Angaben der BBC ist auch ein Rücktritt des Brexit-Unterhändlers David Frost, der ebenfalls zum Cain-Lager zählt, nicht ausgeschlossen.

Machtkampf innerhalb der britischen Regierung

Inzwischen ist laut Medienberichten ein heftiger Streit in der britischen Regierung entbrannt. Es gibt offenbar einen Machtkampf zwischen verschiedenen Gruppen innerhalb der Führungsebene.

Nach Information der BBC soll der derzeitige Chefsprecher der Regierung, James Slack, in der Rolle des Kommunikationschefs auf Cain folgen.

Die Regierung um Johnson hatte zuletzt wegen einer geplanten Änderung am Brexit-Abkommen heftigen Widerstand aus dem Oberhaus erfahren. Mit dem Gesetz will die Regierung das bereits gültige Abkommen zwischen London und Brüssel zum Austritt Großbritanniens aus der EU nachträglich einseitig ändern und Teile aushebeln. Das House of Lords stimmte mit 433 zu 165 Stimmen dagegen – bindend ist das Votum allerdings nicht.

fek/dpa/Reuters
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