Denkmalstürmer in Großbritannien Der Fall der Sklavenhändler

Die "Black Lives Matter"-Proteste führen das Vereinigte Königreich zu einer neuen Auseinandersetzung mit seiner Kolonialgeschichte. Statuen von Sklavenhändlern werden von ihren Sockeln entfernt - nicht nur ordnungsgemäß.
DER SPIEGEL

Am Sonntag rissen Demonstranten bei den "Black Lives Matter"-Protesten in Bristol eine Statue des Sklavenhändlers Edward Colston von ihrem Sockel. Dann wurde sie von ihnen im Hafen versenkt.  

Daraufhin ließ der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan eine Überprüfung aller Statuen und Straßennamen in der britischen Hauptstadt anordnen. Und schon am Dienstag wurde die Statue von Robert Milligan, einem Sklavenhändler aus dem 18. Jahrhundert, im Stadtteil Tower Hamlets entfernt.  

John Biggs, Bezirksbürgermeister Tower Hamlets 

 "Wir sind jahrelang an diesem Denkmal vorbeigelaufen,. O ohne über seine Geschichte Bescheid zu wissen. Aber aus ganz einfacher Recherche lernt man, dass er in den Sklavenhandel verwickelt war. Vielleicht hat er für unglaublichen Reichtum gesorgt, aber er hat auch für unglaubliches Leid gesorgt - bei denjenigen , die vom Sklavenhandel ausgebeutet wurden." 

Die Zuschauer jubelten, als Arbeiter das Denkmal mit einem Kranwagen von seinem Sockel hoben. 

Amina Ali, Sozialarbeiterin in dem Bezirk  

"Die Statue war eine Beleidigung für People of Color. Dass sie heute endlich entfernt wird, ist ein symbolischer Akt, ein Sieg. Für unsere Vorfahren, für Menschen, deren Leben durch den Sklavenhandel beeinträchtigt war, ist das ein Sieg. Sehr symbolisch, und ich bin froh, dass ich das miterleben darf." 

Britische Kaufleute wie Robert Milligan oder Edward Colston spielten im Sklavenhandel eine zentrale Rolle. Bis zu 17 Millionen afrikanische Männer, Frauen und Kinder wurden zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert gewaltsam entführt und nach Amerika verschifft. 

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