Richtung Großbritannien Fast 1300 Migranten überqueren innerhalb von 24 Stunden den Ärmelkanal

Tausende Geflüchtete sind in diesem Jahr bereits über den Ärmelkanal nach Großbritannien eingereist. Nun melden britische Behörden einen neuen Tageshöchstwert. London macht der Regierung in Paris Vorwürfe.
Dover in Großbritannien: Eine Gruppe von Menschen wird nach einem Zwischenfall mit einem kleinen Boot im Ärmelkanal an Bord eines Schiffes der Border Force gebracht

Dover in Großbritannien: Eine Gruppe von Menschen wird nach einem Zwischenfall mit einem kleinen Boot im Ärmelkanal an Bord eines Schiffes der Border Force gebracht

Foto: Gareth Fuller / dpa

Die Flüchtlingsroute von Frankreich über den Ärmelkanal nach Großbritannien ist gefährlich. Dennoch steigen immer wieder Migranten und Migrantinnen in kleine Boote und wagen die Überfahrt. Nun hat die Zahl der Geflüchteten, die Großbritannien auf diesem Weg binnen eines Tages erreicht haben, einen neuen Höchststand erreicht.

Innerhalb von 24 Stunden seien am Vortag etwa 1295 Menschen registriert worden, teilte das britische Verteidigungsministerium am Dienstag mit. Dies sei die höchste Zahl an einem Tag seit Beginn der Aufzeichnungen 2018. Die bisher höchste Zahl an Ankömmlingen war demnach am 11. November 2021 mit 1185 Menschen erreicht worden. 27 Boote seien entdeckt worden, hieß es zudem.

Bisher unternahmen damit in diesem Jahr mehr als 22.600 Menschen die gefährliche Überfahrt, fast doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. Insgesamt zählten die britischen Behörden im vergangenen Jahr 28.526 Überquerungen.

Parlamentsbericht rechnet mit etwa 60.000 Überfahrten in diesem Jahr

Durch die Pandemie und den Brexit wurden zwar die Kontrollen auf dem Landweg strenger. Der Ärmelkanal stellt die Behörden jedoch vor andere Herausforderungen. Die Kontrolle über die eigenen Grenzen zu gewinnen, war eines der zentralen Versprechen der Brexitkampagne. Die Briten setzen inzwischen auf ein umstrittenes Abkommen mit Ruanda.

Die Abmachung mit dem ostafrikanischen Land aus dem Juni sieht vor, illegal in Großbritannien angekommene Menschen nach Ruanda zu fliegen, damit sie dort Asyl beantragen können. Der Pakt ist umstritten. Die Vereinten Nationen sehen darin einen Bruch internationalen Rechts. Bislang ist kein Asylsuchender dorthin ausgeflogen worden, da der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte den ersten geplanten Flug im Juni per einstweiliger Verfügung gestoppt hatte. Derzeit läuft eine weitere gerichtliche Prüfung.

Mit der rigiden Asylpolitik will die konservative britische Regierung möglichst viele Menschen abschrecken, überhaupt ins Land zu kommen. Dennoch könnte die Zahl der Migranten vorerst weiter steigen. Laut einem kürzlich veröffentlichten Parlamentsbericht könnten bis Ende des Jahres etwa 60.000 Menschen die Überfahrt gewagt haben.

Der Ärmelkanal ist eine der verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt. Im November 2021 kam es zu einem tragischen Unglück: 27 Menschen starben, nachdem ihr Schlauchboot kenterte. London wirft Paris vor, nicht genug gegen die Kanalüberquerungen zu tun. Die französische Regierung weist das zurück.

asc/dpa/AFP
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