Scherzanruf bei der Regierung Hochstapler mimt ukrainischen Premier – und telefoniert mit britischem Verteidigungsminister

Ein Anrufer hat es bis zur höchsten Verteidigungsebene Großbritanniens gebracht – Minister Wallace selbst twitterte über den schlechten Scherz. Die Regierung vermutet einen ernsten Hintergrund.
Der britische Verteidigungsminister Ben Wallace

Der britische Verteidigungsminister Ben Wallace

Foto: IMAGO/Mateusz Wlodarczyk / IMAGO/NurPhoto

Seit der russischen Invasion in der Ukraine sind regelmäßige Kontakte zur Regierung in Kiew wichtig – und bei westlichen Regierungen heiß begehrt. Vor allem der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj telefoniert täglich mit Staats- und Regierungschefs aus aller Welt, in mehreren Parlamenten war er bereits zugeschaltet. Weniger präsent, wenn auch nicht weniger wichtig, ist Denys Schmyhal, Ministerpräsident des Landes.

Nun hatte sich ein Hochstapler als Schmyhal ausgegeben und es so bis zur höchsten Verteidigungsebene Großbritannien gebracht: bis zu Verteidigungsminister Ben Wallace.

Wallace selbst hatte den Anruf via Twitter öffentlich gemacht. »Er stellte mehrere irreführende Fragen, und als ich stutzig wurde, habe ich den Anruf beendet«, schrieb Wallace.

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Doch nun wird der Vorfall genauer untersucht – denn seine Kabinettskollegin Priti Patel, britische Innenministerin, antwortete auf Twitter, auch sie habe jüngst einen Scherzanrufer in der Leitung gehabt. Sie vermutet Vorsatz: »Ein erbärmlicher Versuch, uns in schwierigen Zeiten zu spalten.«

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Laut dem »Guardian«  hat das Verteidigungsministerium nun eine Untersuchung eingeleitet. Es soll geklärt werden, wie der Hochstapler bis zu Wallace durchdringen konnte. Es steht auch die Frage im Raum, ob Russland hinter dem Anruf stecken könnte – und nicht nur ein makabrer Witzbold.

»Missinformation, Fälschung und schmutzige Tricks«

Wallace selbst hatte in einem zweiten Tweet suggeriert, es könnte mehr hinter dem Anrufer stecken. »Kein Anteil russischer Missinformation, Fälschung und schmutziger Tricks kann von Russlands Menschenrechtsverletzungen und illegaler Invasion in die Ukraine ablenken«, schrieb er. »Ein verzweifelter Versuch.«

Holly Lynch, Integrationsbeauftragte im Innenministerium, nannte es besorgniserregend, dass Einzelpersonen sich Zugang zu zwei der ranghöchsten britischen Regierungsvertreter erschleichen konnten. Gerade in Zeiten erhöhter Sicherheitsvorkehrungen und angesichts der gestiegenen Angst vor Cyberattacken müssten hier Fragen zur Sorgfaltspflicht aufgeworfen werden.

mrc
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