Antisemitismus-Vorwürfe Labour suspendiert früheren Parteichef Corbyn

Schon länger steht Jeremy Corbyn wegen Antisemitismus-Vorwürfen in der Kritik. Nun hat seine Partei den früheren Labour-Chef suspendiert. Dem Rausschmiss ging ein Untersuchungsbericht voraus.
Jeremy Corbyn

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Aaron Chown / dpa

Seit Jahren werfen Kritiker der britischen Labour-Partei antisemitische Tendenzen vor - nun hat die Partei gehandelt und ihren ehemaligen Parteichef Jeremy Corbyn suspendiert. Dies teilte ein Parteisprecher in London mit. Zudem teilte die Partei mit, Corbyn dürfe nicht mehr im britischen Unterhaus als Labour-Abgeordneter abstimmen. Der Ex-Parteichef kündigte an, gegen den Ausschluss vorgehen zu wollen.

Dem Rausschmiss geht ein Untersuchungsbericht  der britischen Kommission für Gleichheit und Menschenrechte (EHRC) voraus, mit dem die Oppositionspartei antisemitische Umtriebe in den eigenen Reihen aufdecken wollte. Dem Report zufolge ließen die Partei und ihr Ex-Chef antisemitische Tendenzen zu. Wie ein Parteisprecher mitteilte, sei die Entscheidung aufgrund Corbyns Reaktion getroffen worden. Demnach habe der ehemalige Parteichef verharmlosende Äußerungen getroffen.

Dem Bericht zufolge gab es Schikanen und Diskriminierungen. Es habe "unentschuldbare Fehler" gegeben, die auf einen Mangel an Bereitschaft zur Bekämpfung des Antisemitismus zurückzuführen seien, sagte die Vorsitzende der unabhängigen Kommission, Caroline Waters. Besonders in der Kritik steht in dem Bericht Corbyn.

Neuer Parteichef spricht von einem "Tag der Schande"

Dieser wies die Vorwürfe in weiten Teilen zurück und kündigte Gegenschritte an. Er sei "immer entschlossen gewesen, alle Formen des Rassismus zu beseitigen". Er bedaure aber, dass der Wandel so lange gedauert habe. Corbyn war von 2015 bis 2020 Chef der Partei. Im April 2020 wurde der 71-Jährige von Keir Starmer abgelöst. Der sprach nun von einem "Tag der Schande" für Labour.

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Seit Jahren werfen Kritiker den britischen Sozialdemokraten antisemitische Tendenzen vor - etwa in Beiträgen in sozialen Medien. Mehrere Abgeordnete verließen aus Protest die Partei. 2018 räumte Corbyn ein, Disziplinarverfahren gegen antisemitische Parteimitglieder seien zu langsam und zaghaft betrieben worden.

Auch Corbyn selbst stand häufig in der Kritik. So hatte er sich in der Vergangenheit geweigert, sich bei Juden für antisemitische Tendenzen in seiner Partei zu entschuldigen. Kritiker warfen ihm eine einseitige Unterstützung der Palästinenser im Nahostkonflikt vor. Noch bevor er Labour-Chef wurde, bezeichnete Corbyn die im Gazastreifen herrschende Hamas, die unter anderem von der EU als Terrororganisation eingestuft wird, laut britischen Medien als "Freunde".

asc/mrc/hba/dpa/Reuters/AFP
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