Wirtschaftskrise in Großbritannien Labour profitiert vom Chaos der Konservativen

Großbritanniens neue Premierministerin Liz Truss sollte ihre Partei aus der Krise führen. Mit ihren umstrittenen Wirtschaftsreformen hat sie aber vor allem ihren politischen Gegnern einen Gefallen getan.
Opposition im britischen Unterhaus – wie lange noch? Labour-Abgeordnete um Keir Starmer bei einer Rede des neuen konservativen Schatzkanzlers Kwasi Kwarteng

Opposition im britischen Unterhaus – wie lange noch? Labour-Abgeordnete um Keir Starmer bei einer Rede des neuen konservativen Schatzkanzlers Kwasi Kwarteng

Foto: JESSICA TAYLOR/HOUSE OF COMMONS / via REUTERS

Erst vor wenigen Wochen haben in Großbritannien die regierenden Tories mit Liz Truss eine neue Premierministerin ernannt . Sie sollte die Partei nach dem Ausstieg ihres skandalträchtigen Vorgängers Boris Johnson aus dem Umfragetief ziehen. Von ihren ersten Schritten als Regierungschefin profitierte bislang aber nur die Opposition.

Die Labourpartei hat ein neues Umfragehoch erreicht. Wie die konservative Zeitung »The Times«  am Dienstag berichtete, lagen die Sozialdemokraten unter Parteichef Keir Starmer bei einer jüngsten YouGov-Erhebung  um 17 Prozentpunkte vor den regierenden Konservativen von Premierministerin Truss. Das ist der größte Vorsprung seit dem Labour-Wahlsieg unter dem damaligen Premierminister Tony Blair aus dem Jahr 2001. Demnach würden in einer Parlamentswahl derzeit 45 Prozent der Wählerinnen und Wähler für Labour stimmen und nur 28 Prozent für die Tories.

Labour präsentiert sich harmonisch

Für Starmer, der am Dienstag seine Rede auf dem Labour-Parteitag in Liverpool halten wollte, ist das ein willkommener Schub. Die Partei präsentierte sich bei der bis Mittwoch andauernden Konferenz harmonisch wie seit Jahren nicht mehr. Die Oppositionspartei profitiert von der Kritik an den radikalen Steuersenkungen der Regierung, die vor allem den Reichsten in der Gesellschaft zugutekommen sollen – und die laut der YouGov-Umfrage von mehr als zwei Dritteln der Wähler abgelehnt werden.

Die neue Premierministerin Liz Truss von den konservativen Tories hatte selbst eingeräumt, dass ihr Kurs eher vorteilhaft für die Gutsituierten sei. Die Opposition warf der Regierung vor, dass die Deckelung der Energiepreise Milliarden  koste und auf Pump finanziert werden müsse, was später wieder auf den Steuerzahler zurückfallen werde. Bedenken wegen einer womöglich zu hohen Verschuldung äußerten auch Ökonomen, die Hilfsorganisation Oxfam sprach von einer »Win-win-Situation für die Reichsten«.

Nach der Ankündigung der über Schulden finanzierten Pläne in der vergangenen Woche war zudem der Pfund-Kurs im Vergleich zum US-Dollar in den Keller gerauscht – auf den niedrigsten Stand seit 37 Jahren. Eigentlich erhofft sich die Regierung eine Belebung der Wirtschaft.

Regulär wird mit einer Parlamentswahl in Großbritannien erst im Laufe des Jahres 2024 gerechnet. Doch es gibt bereits Gerüchte, dass Premierministerin Truss wegen der umstrittenen Maßnahmen in der eigenen Partei unter Druck geraten könnte.

muk/dpa
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