Neue britische Regierung »Schweres Fehlverhalten« – Liz Truss feuert Staatssekretär

Boris Johnson trat als britischer Premier auch deshalb zurück, weil er Belästigungsvorwürfe gegen einen Parteifreund lange ignoriert hatte. Seine Nachfolgerin greift nun in einem offenbar ähnlichen Fall durch.
Britische Premierministerin Liz Truss: Kabinett vor einem Monat vorgestellt

Britische Premierministerin Liz Truss: Kabinett vor einem Monat vorgestellt

Foto: Isabel Infantes / epa

Ein Staatssekretär der neuen britischen Regierung ist gefeuert worden, weil gegen ihn Vorwürfe »schweren Fehlverhaltens« erhoben werden. Premierministerin Liz Truss habe Handelsstaatssekretär Conor Burns mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden, teilte ein Downing-Street-Sprecher am Freitagnachmittag mit. Außerdem wurde der Abgeordnete für die Dauer der Ermittlungen aus der Fraktion ausgeschlossen. Burns kündigte an, kooperieren zu wollen und seinen Namen reinzuwaschen.

Berichten zufolge sollen die Vorwürfe nach dem Parteitag der Tories in dieser Woche in Birmingham erhoben worden sein. Burns soll sich der Zeitung »The Sun « zufolge dort in einer Hotelbar einem jüngeren Mann gegenüber unangemessen verhalten haben. Burns sagte der Zeitung, er werde bei der Untersuchung zusammenarbeiten und freue sich darauf, »seinen Namen reinzuwaschen«.

Conor Burns: Offenbar gefeuert wegen Vorfall in Hotelbar

Conor Burns: Offenbar gefeuert wegen Vorfall in Hotelbar

Foto:

Chris McAndrew/ AP

Burns hatte in Johnsons Regierung zuletzt als Minister für Nordirland fungiert. Er wurde zum Handelsminister ernannt, als Truss vor rund einem Monat ihr neues Amt antrat .

In den vergangenen Monaten und Jahren hatten in Großbritannien immer wieder Fälle einzelner Abgeordneter, die sich unangemessen verhielten oder sogar sexuell übergriffig wurden, für Schlagzeilen gesorgt. Der zunächst zögerliche Umgang mit einem dieser Fälle hatte auch den Niedergang von Ex-Premierminister Boris Johnson beschleunigt. So hatte Johnson einräumen müssen, bereits 2019 über Anschuldigungen gegen seinen konservativen Parteifreund Chris Pincher informiert gewesen zu sein. Pincher war im Sommer von seinem Posten als führendes Fraktionsmitglied zurückgetreten, nachdem Medien berichtet hatten, er habe zwei Männer im betrunkenen Zustand begrapscht

sol/AP/dpa
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