Britische Wirtschaftskrise Regierungschefin Truss räumt »kurzfristige Störungen« durch ihre Politik ein

Nach enormen Turbulenzen am britischen Kapitalmarkt rechtfertigt Premierministerin Truss ihr Steuersenkungsprogramm. In der Bevölkerung muss sie aber noch viel Überzeugungsarbeit leisten.
Liz Truss: »Ich werde die Dinge anders angehen«

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DANIEL LEAL / AFP

Liz Truss hat als britische Regierungschefin keinen guten Start erlebt. Das Pfund geriet zuletzt immer stärker unter Druck, die Renditen für Staatsanleihen stiegen kräftig. Nur die englische Notenbank verhindert offenbar einen Finanzkollaps – und auch die Zustimmung für die neue Regierung sackte dramatisch ab.

In einem Gastbeitrag hat Truss nun eingeräumt, ihre Politik habe »kurzfristige Störungen« verursacht. »Ich werde die Dinge anders angehen. Dazu gehören schwierige Entscheidungen und kurzfristige Störungen«, schrieb  die konservative Politikerin in der britischen Boulevardzeitung »The Sun«. Zu lange sei die britische Wirtschaft durch hohe Steuern ausgebremst worden.

Truss’ Finanzminister Kwasi Kwarteng hatte vor rund einer Woche erhebliche Steuersenkungen angekündigt, die vor allem den Reichen zugutekommen sollen. Allerdings sind diese nicht gegenfinanziert, sodass der Staat enorm hohe Schulden aufnehmen muss.

Daraufhin stürzte das Pfund auf den niedrigsten Stand seit fast 40 Jahren ab, die Zinsen von lang laufenden britischen Staatsanleihen stiegen erheblich an. Um den Markt zu stabilisieren, will die Bank of England nun Staatspapiere mit langer Laufzeit erwerben – ohne Obergrenze.

»Nicht alle sind zufrieden damit, was wir tun, aber ich möchte der Bevölkerung versichern, dass die Regierung einen klaren Plan hat, was das Richtige für das Land ist«, schrieb Truss. »Nichts davon wird über Nacht passieren, aber es ist das Richtige. Wir werden durchkommen.«

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Auch Finanzminister Kwarteng verteidigte in einem Gastbeitrag seine Politik: »Ohne Frage war das eine teure Intervention, aber welche Wahl hatten wir?«, schrieb er im »Telegraph«. In einem Fernsehinterview hatte der Minister bereits zuvor abgestritten, die Steuererleichterungen kämen besonders Topverdienern zugute.

Eine Kehrtwende bei ihrem Plan lehnen Truss und Kwarteng ab. Bei der Wählerschaft kommt ihr Kurs indes überhaupt nicht gut an: Laut einer aktuellen Umfrage hat die oppositionelle Labourpartei derzeit einen historisch großen Vorsprung vor den Konservativen.

sak/dpa
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