Reaktionen auf Truss-Rücktritt Boris Johnson erwägt angeblich Comeback als Premier

Liz Truss gibt als Premierministerin auf, ihr Vorgänger liebäugelt Medienberichten zufolge mit einer Rückkehr. Auch sonst fallen die Reaktionen heftig aus, hämische Grüße aus Moskau inklusive.
Rückkehr nach sechs Wochen Pause? Boris Johnson, hier beim Verlassen von Downing Street Nr. 10 im Juli

Rückkehr nach sechs Wochen Pause? Boris Johnson, hier beim Verlassen von Downing Street Nr. 10 im Juli

Foto: Carl Court / Getty Images

Nach nur sechs Wochen im Amt hat die britische Regierungschefin Liz Truss wieder hingeschmissen. Die Nachfolgerin von Boris Johnson war über angekündigte Steuerpläne gestolpert. »Angesichts der Situation erkenne ich an, dass ich das mir von der konservativen Partei übertragene Mandat nicht erfüllen kann«, erklärte sie vor ihrem Regierungssitz in London.

Nun soll ihr Vorgänger Boris Johnson einem Medienbericht zufolge ein Comeback erwägen. Wie ein leitender »Times«-Redakteur schrieb, betrachte Johnson die Entwicklungen als »Sache von nationalem Interesse« und bereitet sich auf eine Kandidatur für den Vorsitz der Konservativen Partei vor.

In der Opposition fallen die Reaktionen auf den Rückzug hingegen wütend aus. Labourchef Keir Starmer forderte umgehend Neuwahlen. »Nach zwölf Jahren Tory-Versagen verdienen die Briten so viel mehr als diese Drehtür des Chaos«, schrieb Starmer auf Twitter. Die Tories hätten eine Vielzahl von Krisen verursacht, für die die Briten zahlen müssten. Sie könnten nicht einfach wieder ihre Spitze »durchmischen«, ohne dass Wählerinnen und Wähler eine Chance auf Mitbestimmung hätten.

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Truss hatte das Premieramt von Johnson nach dessen Rücktritt geerbt. In einer internen Wahl der Tories war sie zur neuen Parteichefin – und damit automatisch auch zur Regierungschefin ernannt worden. Die parteiinterne Wahl ihres Nachfolgers an der Spitze der Partei – und damit des nächsten Premierministers – soll bis kommende Woche stattfinden. Spätestens am 31. Oktober werde die Regierung neu besetzt sein, sagte Graham Brady, der Vorsitzende des mächtigen 1922-Komitees der konservativen Fraktion im Unterhaus.

Brady sagte, auch die Parteibasis solle in den Prozess einbezogen werden. Wie das aussehen soll, war zunächst unklar. Später am Donnerstagnachmittag wollte das Komitee weitere Details bekannt geben. »Wir sind uns sehr bewusst über die Notwendigkeit im Sinne des nationalen Interesses, dies sehr schnell und klar zu regeln«, sagte Brady.

»Keine Worte, um diesen Scherbenhaufen angemessen zu beschreiben«

Neben Keir Starmer drängt jedoch auch die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon auf Neuwahlen. »Eine Neuwahl ist nun ein demokratischer Imperativ«, schrieb die Schottin auf Twitter, nachdem Truss ihren Rücktritt verkündet hatte. »Es gibt gar keine Worte, um diesen Scherbenhaufen angemessen zu beschreiben«, so Sturgeon. Normale Bürgerinnen und Bürger müssten dafür den Preis zahlen. Die Interessen der konservativen Tory-Partei, die innerhalb einer Woche eine Nachfolge für Truss finden will, dürften nun keine Rolle spielen.

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In Moskau hingegen sorgte der Rücktritt für Häme. Das russische Außenministerium begrüßte den Abgang von Truss. Sie werde wegen ihres »katastrophalen Analphabetismus« in Erinnerung bleiben. »Großbritannien hat noch nie eine solche Schande eines Premierministers erlebt«, sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa. Truss hatte der Ukraine im Krieg gegen die russischen Invasoren ihre Unterstützung zugesichert.

Nach ihrem Rückzug geht Truss als Premierministerin mit der kürzesten Amtszeit in die Geschichte des Königreichs ein. In den nur sechs Wochen an der Regierungsspitze hatte sie zunächst mit umstrittenen Steuersenkungsplänen für Turbulenzen an den Finanzmärkten gesorgt. Daraufhin wechselte sie ihren Finanzminister aus und legte eine finanzpolitische Kehrtwende hin. Am Mittwoch trat dann auch noch ihre Innenministerin zurück, eine chaotische Abstimmung im Unterhaus am Abend sorgte für zusätzlichen Druck. Auch in den Reihen ihrer eigenen Partei waren die Rufe nach ihrem Rücktritt immer lauter geworden.

Als mögliche Kandidaten für die Truss-Nachfolge gelten ihr ehemaliger Rivale Rishi Sunak sowie die Kabinettsmitglieder Penny Mordaunt oder Ben Wallace.

mrc/dpa/Reuters
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