Machtwechsel in Großbritannien Liz Truss verteidigt gescheiterte Steuerpolitik

Großbritanniens Premierministerin war nur sieben Wochen im Amt. Zum Abschied zog Liz Truss ein erstaunlich positives Fazit ihrer Regierungszeit.
Liz Truss am Dienstag in der Downing Street: »Schnell und entschieden« gehandelt

Liz Truss am Dienstag in der Downing Street: »Schnell und entschieden« gehandelt

Foto: Henry Nicholls / REUTERS

Großbritanniens zurückgetretene Premierministerin Liz Truss hat ihre gescheiterten Pläne für Steuersenkungen verteidigt. Großbritannien könne es sich nicht leisten, ein Land mit niedrigem Wachstum zu sein, sagte sie bei ihrer Abschiedsrede in der Downing Street. Deshalb seien niedrigere Steuern notwendig. Man müsse zudem die Freiheiten nutzen, die der Brexit mit sich bringe.

Truss zog in ihrer kurzen Rede ein erstaunlich positives Fazit ihrer siebenwöchigen Amtszeit. Angesichts explodierender Energiepreise habe ihre Regierung »schnell und entschieden« gehandelt. Dass ihre Pläne für Chaos an den Finanzmärkten und einem Absturz der britischen Währung geführt hatten, erwähnte sie nicht. Truss zitierte den Philosophen Seneca mit den Worten: »Nicht weil es schwierig ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwierig.«

Sie bedankte sich in der Abschiedsrede bei ihrer Familie für ihre Unterstützung. Zuvor hatte sie ihre letzte Kabinettssitzung geleitet. »Es war eine riesige Ehre, Premierministerin dieses großartigen Landes zu sein«, sagte Truss. Ihrem Nachfolger Rishi Sunak wünsche sie viel Erfolg.

Sunak will die zerstrittene Partei einen

Sunak hatte sich zuvor gegen Ex-Premier Boris Johnson und Penny Mordaunt im parteiinternen Kampf um die Nachfolge durchgesetzt. Er war bereits unter Johnson britischer Finanzminister. Sein Rücktritt führte im vergangenen Sommer zu einer Regierungskrise, nach der letztlich Johnson sein Amt aufgeben musste.

Sunak ist der Sohn indischer Einwanderer und arbeitete nach seinem Studium an britischen Eliteuniversitäten zeitweise als Investmentbanker. Sein Vermögen wird auf mehrere Hundert Millionen Pfund geschätzt (lesen Sie hier ein Porträt). Er warb für den Brexit, dennoch gilt er im Vergleich zu Truss als wirtschaftlich moderat.

Sunak inszeniert sich in diesen Tagen als jemand, der die Partei einen kann. Die Abgeordneten der zerstrittenen Tory-Partei schwor er am Montag hinter verschlossenen Türen darauf ein, dass sie nur noch eine letzte Chance hätten, sich an der Macht zu halten.

In einer ersten, etwas hölzern wirkenden Ansprache sagte Sunak anschließend, er beabsichtige, die Briten »mit Integrität und Demut« zu führen. Allerdings muss auch er Widerspruch aus den eigenen Reihen fürchten. Schon am Montag verlangten einige Tory-Abgeordnete Neuwahlen.

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