Tory-Machtkampf um Johnson-Nachfolge Truss zieht umstrittene Sparpläne für öffentlichen Dienst wieder zurück

Elf Milliarden Pfund wollte Liz Truss durch Gehaltssenkungen sparen, wohl vor allem zulasten von Lehr- und Pflegekräften. Nach Kritik fühlt sich die Kandidatin für das Amt von Premier Boris Johnson nun missverstanden.
Mögliche künftige Premierministerin Truss: Gehälter und Arbeitsbedingungen für Beschäftigte im öffentlichen Dienst sollen sich doch nicht ändern

Mögliche künftige Premierministerin Truss: Gehälter und Arbeitsbedingungen für Beschäftigte im öffentlichen Dienst sollen sich doch nicht ändern

Foto: Peter Nicholls / REUTERS

Der Großraum London ist das wichtigste Wirtschaftszentrum Englands und des gesamten Vereinigten Königreichs. Der Ballungsraum wächst und wächst, während Regionen etwa im Norden Englands mit Arbeitslosigkeit und Armut zu kämpfen haben. Vor diesem Hintergrund stieß ein Vorschlag der Tory-Politikerin Liz Truss, Lohn und Urlaub Tausender Beschäftigter im öffentlichen Dienst einzig außerhalb Londons zu kürzen, auf massive Kritik.

Nun rudert die mögliche Nachfolgerin von Premierminister Boris Johnson zurück. Eine Sprecherin ihrer Wahlkampagne beklagte am Dienstag eine »vorsätzliche Falschdarstellung« und kündigte an, Gehälter und Arbeitsbedingungen würden so bleiben wie bisher.

Erst Stunden zuvor hatte die Außenministerin angekündigt, die Löhne von Beschäftigten außerhalb der wohlhabenderen Gebiete London und Südengland zu senken, damit sie die regionalen Lebensverhältnisse besser widerspiegeln. Der Journalist Robert Peston veranschaulichte Truss' Kurswechsel auf Twitter, indem er die beiden widersprüchlichen Aussagen aus Truss' Team gegenüberstellte.

Truss hatte laut der Nachrichtenagentur dpa zunächst erklärt, auch die Zahl der Urlaubstage von 27 auf 25 reduzieren und Freistellungen für Gewerkschaftsarbeit sowie Stellen für Diskriminierungsbeauftragte streichen zu wollen. Insgesamt sollten elf Milliarden Pfund (13,1 Milliarden Euro) eingespart werden.

Einsparungen hätten vor allem Lehrer und Pflegekräfte getroffen

Experten wiesen darauf hin, dass die Kürzungen vor allem Gruppen wie Pflegekräfte und Lehrer treffen dürften. Gewerkschaften kündigten harten Widerstand an. Zuletzt widersprachen auch prominente Mitglieder aus ihrer Konservativen Partei. Nach mehreren Wahlen liefert sich Truss mit dem früheren Finanzminister Rishi Sunak derzeit ein Duell um den Tory-Vorsitz und damit auch um das Amt Johnsons als Premier. Das Ergebnis der Stichwahl wird am 5. September erwartet.

Eine Spitze gegen die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon brachte der 47-jährigen Truss am Dienstag ebenfalls Gegenwind. Truss hatte Sturgeon bei einer Wahlkampfveranstaltung als »Selbstdarstellerin« bezeichnet und ein neues schottisches Unabhängigkeitsreferendum abgelehnt. »Das Beste, das man mit Nicola Sturgeon machen kann, ist, sie zu ignorieren«, sagte Truss über die Erste Ministerin. Schottlands Vizeregierungschef John Swinney sagte daraufhin der BBC, solche Kommentare gegen eine demokratisch gewählte Führungspersönlichkeit seien »völlig unangebracht«.

fek/dpa/AFP
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