Mutmaßliche Vergewaltigung und Missbrauch Tory-Abgeordneter kommt nach Festnahme auf Kaution frei

Die Vorfälle sollen bereits mehr als zehn Jahre zurückliegen: Die britische Polizei hat einen konservativen Abgeordneten wegen mutmaßlicher Vergewaltigung und Missbrauchsvorwürfen festgenommen. Nach kurzer U-Haft ist er nun wieder frei.
Britischer Parlamentssitz Westminster Palace in London

Britischer Parlamentssitz Westminster Palace in London

Foto: Neil Hall / EPA

Die Negativschlagzeilen für die Tories reißen nicht ab: Die Londoner Polizei hat nach Vorwürfen der Vergewaltigung und des sexuellen Missbrauchs am Dienstag einen Abgeordneten der konservativen Partei festgenommen. Das berichteten britische Medien übereinstimmend.

Wie die BBC  berichtete, kam der nach Polizeiangaben zwischen 50 und 60 Jahre alte Mann am Mittwoch gegen Zahlung einer Kaution vorerst wieder auf freien Fuß. Die Ermittlungen dauern demnach an. Der Name des Abgeordneten wurde nicht genannt.

Vorfälle wurden erst Jahre später angezeigt

Die mutmaßlichen Fälle sexuellen Missbrauchs sollen sich zwischen 2002 und 2009 in London abgespielt haben, wurden jedoch erst Anfang 2020 angezeigt. Die Ermittlungen gegen den Abgeordneten laufen derzeit noch. Der Polizei zufolge wird gegen ihn auch wegen des möglichen Missbrauchs seiner Machtposition ermittelt.

Der Fraktionschef der konservativen Partei wies den betroffenen Abgeordneten an, das Grundstück des Parlaments nicht mehr zu betreten, solange die Ermittlungen laufen. Aus der Partei wurde der Beschuldigte jedoch zunächst nicht ausgeschlossen.

Die Tory-Politikerin und britische Außen- und Frauenministerin Liz Truss zeigte sich gegenüber dem Sender Sky News »sehr, sehr besorgt über die Berichte«. »Es ist besorgniserregend, dass wir erneut solche abstoßenden Vorwürfe gegen einen Parlamentarier sehen«, so Truss.

Nächster Skandal für Johnsons Tories

Abgeordnete der Tory-Partei von Premier Boris Johnson sind in den vergangenen Monaten immer wieder wegen Fehlverhaltens in die Schlagzeilen geraten. So sorgte zunächst etwa die »Partygate«-Affäre um Exzesse in der Downing Street während des Coronalockdowns für Schlagzeilen.

Zuletzt ging es in verschiedenen Fällen um sexuelles Fehlverhalten von Parlamentariern. Die parlamentseigene Beschwerdestelle geht derzeit gegen mindestens 56 Abgeordnete wegen des Verdachts auf sexuelles Fehlverhalten vor, darunter drei Minister.

Zudem war im April der Abgeordnete Imran Ahmad Khan zurückgetreten, nachdem ihn ein Gericht des Missbrauchs an einem 15-Jährigen schuldig gesprochen hatte. Der Tory-Abgeordnete Neil Parish legte sein Mandat nieder, nachdem er zugegeben hatte, sich im Unterhaus Pornos angeschaut zu haben.

fek/dpa/AFP