Schutz in Großbritannien Mehr als 9000 Flüchtende überquerten seit Jahresbeginn den Ärmelkanal

Immer mehr Menschen wollen über den Ärmelkanal nach Großbritannien. Die Zahl der Migrantinnen und Migranten dürfte in diesem Jahr einen Höchstwert erreichen. London will den Andrang ausgerechnet nach Ruanda umleiten.
Migranten vor Dungeness in Großbritannien (November 2021)

Migranten vor Dungeness in Großbritannien (November 2021)

Foto: Gareth Fuller / dpa

Seit Jahresbeginn haben mehr als 9000 Menschen in kleinen Booten den Ärmelkanal von Frankreich aus in Richtung Großbritannien überquert. Das geht aus Analysen der britischen Nachrichtenagentur PA hervor, die sich dabei auf Daten der Regierung beruft.

Allein in der vergangenen Woche zählten die Behörden 685 Ankommende in fünf Tagen. Die Zahlen liegen in diesem Monat bereits deutlich über dem Niveau von Mai 2021, nämlich mehr als dreimal so hoch.

Die Überfahrt scheint kurz, ist aber lebensgefährlich

Mit ihrer rigiden Asylpolitik will die konservative britische Regierung möglichst viele Menschen abschrecken, überhaupt ins Land zu kommen. So soll vielen illegal eingereisten Migranten kein Recht auf Asyl mehr gewährt werden. Sie sollen stattdessen nach Ruanda geschickt werden und dort einen Antrag auf Asyl stellen können. Ein entsprechendes Abkommen mit dem ostafrikanischen Land sieht vor, dass Großbritannien dem Land im Austausch entsprechende finanzielle Mittel zukommen lässt.

Das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR übte bereits scharfe Kritik an dem Ruanda-Plan: Geld ins Ausland zu schicken, ersetze nicht die Verantwortung von Staaten, Asylsuchende aufzunehmen und sie auf ihrem eigenen Boden zu schützen – unabhängig von ihrer Herkunft, Nationalität oder der Art und Weise, wie sie ins Land gekommen seien, schrieb die Organisation auf Twitter.

Trotz der Gefahren versuchen seit Jahren immer mehr Menschen die Querung der von der Handelsschifffahrt stark frequentierten Meerenge. Immer wieder geraten Migrantinnen und Migranten in Seenot. Die französische Küstenwache rettete jüngst 113 schiffbrüchige Menschen im Ärmelkanal.

asa/dpa