Partygate-Debakel Nächster Unterstützer rückt von Johnson ab

Wie viel Vertrauen genießt der britische Premier noch? Einer der loyalsten Unterstützer Johnsons hält seinen Abgang inzwischen für »unausweichlich«. Aber auch seine Fürsprecher bringen sich in Stellung.
Boris Johnson beim Besuch eines Bauprojekts in dieser Woche

Boris Johnson beim Besuch eines Bauprojekts in dieser Woche

Foto: Peter Byrne / dpa

Der britische Premier Boris Johnson bangt weiter um sein Amt. Einer der treuesten Unterstützer Johnsons, der Tory-Abgeordnete Charles Walker, ist am Samstag von ihm abgerückt. Ein Sturz Johnsons sei unausweichlich, sagte Walker dem britischen »Observer «.

Walker sagte, Johnson habe vieles richtig gemacht, unter anderem die Impfkampagne sei gut gemanagt worden. Aber die Partys in Downing Street 10, inmitten des britischen Lockdowns, hätten ein traumatisiertes Land erzürnt. »Es wird einfach nicht besser werden.« Johnson müsse zurücktreten.

Mit Stephen Hammond äußerte sich ein weiterer Tory kritisch. Er werde am Wochenende sorgfältig überlegen, ob er noch Vertrauen in den Premier habe. Es sehe wie »der Anfang vom Ende« für Johnson aus.

Partys mitten im Lockdown

Johnson steht wegen der sogenannten Partygate-Affäre unter enormem Druck. Ein Untersuchungsbericht wirft den Verantwortlichen in Downing Street 10 Führungsversagen und Regelbrüche vor, außerdem ermittelt die Polizei. In Downing Street 10 hatten während des britischen Lockdowns mehrere gesellige Treffen stattgefunden, es wurde mitunter getrunken, gegrölt und getanzt.

Johnsons Vorgängerin Theresa May griff den Premier im Parlament an. Im Lichte von Grays Report gebe es eigentlich nur drei Erklärungen für das Partygate-Debakel, sagte sie. Johnson habe seine eigenen Coronaregeln entweder nicht gelesen oder nicht verstanden – oder er sei davon ausgegangen, dass sie für ihn selbst nicht gelten. »Was davon war es?«

Zu allem Überfluss waren dann auch noch fünf enge Mitarbeiter Johnsons zurückgetreten. Darunter seine politische Beraterin Munira Mirza, die insgesamt 14 Jahre für ihn gearbeitet hatte. Am Samstag präsentierte Johnson daher einen neuen Stabschef und einen neuen Kommunikationsberater.

Johnson hat sich immer wieder aus der Affäre gezogen

Die entscheidende Frage ist, wie viel Rückhalt der Premier noch in seiner eigenen Partei genießt. Einige Abgeordnete haben Johnson bereits schriftlich ihre Unterstützung entzogen. Ihre genaue Zahl ist unbekannt, die Spekulationen in der britischen Presse reichen von 30 bis 45 solcher Briefe. Ein Misstrauensvotum käme zustande, wenn mindestens 54 der 359 Tory-Parlamentarier ihm schriftlich das Vertrauen entzögen.

Dass Johnson sich einem solchen Votum stellen muss, ist keineswegs ausgemacht. Er hatte sich in der Vergangenheit immer wieder aus scheinbar ausweglosen Situationen befreit.

In den vergangenen Tagen meldeten sich auch seine Unterstützer zu Wort. Kulturministerin Nadine Dorries sagte, die große Mehrheit der Partei stehe hinter Johnson. Kabinettsmitglied Kwasi Kwarteng widersprach dem Kritiker Walker direkt. In den vergangenen Jahren hätten schon viele behauptet, dass Dinge unvermeidlich seien. Er warte da lieber ab.

slü