Neuer Skandal bei den Tories Britischer Abgeordneter legt Parteiposten nieder

Im Rausch belästigte ein führendes Tory-Mitglied offenbar zwei Männer. Nun zieht Chris Pincher Konsequenzen. Premierminister Johnson wusste offenbar bereits von ähnlichen Vorwürfen.
Tory-»Whip« Chris Pincher

Tory-»Whip« Chris Pincher

Foto: Richard Townshend / AFP

Der britische Premierminister Boris Johnson muss sich erneut mit einem Eklat in seiner Partei beschäftigen. Der Tory-Abgeordnete Chris Pincher legte sein Amt als stellvertretender »Einpeitscher«, Whip, für die Fraktion nieder, weil er offenbar im betrunkenen Zustand zwei Männer begrapscht hat.

»Ich habe bei Weitem zu viel getrunken«, schrieb Pincher laut BBC  und Sky News in seinem Rücktrittsschreiben an Johnson. »Ich habe mich und andere in Verlegenheit gebracht, was das Letzte ist, was ich tun möchte«, schrieb Pincher und bat um Entschuldigung.

Pincher offenbar »extrem betrunken« in exklusivem Tory-Klub

Nähere Angaben zu dem Vorfall machte der Konservative jedoch nicht. Laut BBC soll Pincher jedoch »extrem betrunken« im Carlton Club, dem exklusiven Klub für Mitglieder der konservativen Partei in London, gesehen worden sein. Sein Mandat als Abgeordneter wolle Pincher den Berichten zufolge behalten, um Johnson im Parlament weiter zu unterstützen.

Johnson steht bereits seit Monaten wegen seiner Rolle bei illegalen Partys im Regierungssitz Downing Street  während des Coronalockdowns unter Druck. Für den Premierminister ist der Fall zudem heikel. Einem Bericht der Website »Politico« zufolge soll er bereits seit Monaten von ähnlichen Vorwürfen gegen Pincher gewusst haben.

Labour fordert weitere Konsequenzen

Die stellvertretende Labourchefin Angela Rayner drängte Johnson laut BBC, nach dem Vorfall weitere Maßnahmen zu ergreifen. Johnson müsse die »ernste Frage beantworten«, warum Pincher die Funktion als Einpeitscher erhalten habe und warum er Abgeordneter bleiben könne. Sollte Pincher auch sein Mandat aufgeben, wäre das für die Tories womöglich ein weiterer Verlust. Zuletzt hatten die Konservativen bereits zwei Parlamentssitze eingebüßt, weil sich Abgeordnete wegen Fehlverhaltens von ihren Ämtern zurückgezogen hatten.

Der Konservative Neil Parish hatte im April sein Mandat aufgegeben, nachdem bekannt geworden war, dass er im Parlament auf seinem Mobiltelefon Pornos geschaut hatte. Der Abgeordnete Imran Ahmad Khan hatte sein Amt nach seiner Verurteilung wegen eines sexuellen Übergriffs auf einen 15-jährigen Jungen niedergelegt. Bei den Nachwahlen setzten sich jeweils die Liberaldemokraten und die Labourpartei durch.

fek/dpa/Reuters
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