Reisechaos am Ärmelkanal Sechs Stunden Wartezeit für 90 Minuten Überfahrt

Großbritannien und Frankreich streiten mal wieder wegen des Ärmelkanals – diesmal geht es um die langen Wartezeiten an den Fährterminals. Schuld? Haben in jedem Fall die anderen!
Stau vor dem Check-in am Fährhafen von Dover

Stau vor dem Check-in am Fährhafen von Dover

Foto: Gareth Fuller / AP

Wegen langer Wartezeiten für britische Fährpassagiere ist ein Streit zwischen Großbritannien und Frankreich entbrannt, den Politiker ebenso führen wie Fähren- und Hafenbetreiber.

Die britische Außenministerin Liz Truss, die sich um die Nachfolge von Boris Johnson bewirbt, forderte Paris auf, etwas gegen die »unannehmbaren« Verzögerungen im Hafen von Dover zu unternehmen. Auch der Hafenbetreiber gab den französischen Behörden die Schuld an langen Schlangen vor der Überfahrt nach Calais. Truss bezeichnete die Lage in einer Erklärung als »völlig vermeidbar«.

»Das fehlende Personal an der französischen Grenze vermasselt den Beginn der Sommerferien«, hieß es in einer Erklärung des Hafens in Dover. Die französische Seite verwies hingegen auf einen »unvorhersehbaren technischen Zwischenfall«. Passagiere müssen sich in Dover einer Grenzkontrolle durch französische Beamte unterziehen, bevor sie eine Fähre nach Nordfrankreich besteigen können.

Hafendirektor rät Passagieren mit Ticket ab, zum Hafen zu fahren

Hafendirektor Doug Bannister sprach im britischen Sender BBC von einer kritischen Lage und riet Reisenden mit Tickets für die Fähre nach Frankreich davon ab, sich auch nur zum Hafen zu begeben. Auf französischer Seite versicherte Regionalpräfekt Georges-François Leclerc, dass »der Anstieg des Verkehrsaufkommens an diesem Wochenende selbstverständlich vorhergesehen und ein entsprechendes Aufgebot vorbereitet worden war«.

Leclerc mahnte, dass »der reibungslose Ablauf im Hafen von Dover in der gemeinsamen Verantwortung einer Reihe von Akteuren liegt, darunter insbesondere der Reedereien, des Hafens von Dover und der britischen Behörden«.

Der Betreiber mahnt, ausreichend Wasser mitzunehmen

Der Fährenbetreiber P&O Ferries kündigte Wartezeiten von mindestens sechs Stunden für die anderthalb Stunden dauernde Überfahrt zum französischen Calais an und empfahl, ausreichend Wasser und Lebensmittel mitzunehmen.

Hafenverantwortliche in Dover mahnten, mögliche Reisepläne zum Schulende zu überdenken. In den meisten britischen Schulen fangen in dieser Woche die Sommerferien an, eine der verkehrsreichsten Zeiten für Überquerungen des Ärmelkanals.

ani/AFP
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