Monarchiegegner in Großbritannien Proteste bei Königsproklamation – zwei Menschen festgenommen

»Wer hat ihn gewählt?«, rief ein 45-Jähriger bei einer Veranstaltung zur Proklamation von Charles III. Der britischen Polizei reichte das schon für eine Festnahme. Auch in Edinburgh kam es zu einem ähnlichen Fall.
Ankündigung der Proklamation von Charles III. in Croydon, südlich von London

Ankündigung der Proklamation von Charles III. in Croydon, südlich von London

Foto: Tristan Fewings / Getty Images

Nach dem Tod seiner Mutter Queen Elizabeth II. wurde Charles III. am vergangenen Samstag offiziell zum König Großbritanniens ausgerufen. Während viele Menschen im Land den neuen Monarchen feierten, kam es auch zu Protesten von republikanischen Anhängern. In Oxford und Edinburgh wurden deswegen zwei Menschen festgenommen – die Gründe für die Festnahmen wirken jedoch übertrieben.

Der 45-jährige Symon Hill wurde festgenommen, weil er während der Proklamation des neuen Königs in Oxford lautstark »Wer hat ihn gewählt?« gefragt hatte. Dies berichten unter anderem der »Guardian« und Hill selbst in einem Onlinebeitrag . Die Proklamation des Königs wurde bei mehreren öffentlichen Veranstaltungen im ganzen Vereinigten Königreich angekündigt.

Hill berichtete, dass er ursprünglich gar nicht vorhatte, an Protestaktionen teilzunehmen. Er sei auf dem Heimweg von der Kirche zufällig auf die Veranstaltung gestoßen. Der Geschichtslehrer sagte, nachdem er die Worte gerufen hatte, hätten ihm einige Leute in der Nähe gesagt, er solle »die Klappe halten«. Daraufhin habe er geantwortet: »Ein Staatsoberhaupt wurde uns ohne unsere Zustimmung aufgezwungen«.

Drei Sicherheitsleute hätten sich Hill angenähert und versucht, ihn zurückzuschubsen. Dann führte ihn die Polizei ab, obwohl einige Anwesende dagegen protestierten. Ihm seien dann Handschellen angelegt und er sei dann von der Polizei nach Hause gefahren worden, berichtet der 45-Jährige.

»Belästigung oder Beunruhigung«

Auf dem Heimweg sei Hill mitgeteilt worden, dass er wegen Handlungen, die zu »Belästigung oder Beunruhigung« führen könnten, festgenommen worden war. Dazu schreibt er: »Es würde mich überraschen, wenn irgendjemand von den wenigen Leuten, die mich gehört hatten, sich belästigt oder beunruhigt gefühlt hätte, weil er mit einer Meinung konfrontiert wurde, mit der er vielleicht nicht einverstanden war.«

Die Festnahme beschäftige Hill weiterhin, doch es gehe ihm nicht um sich selbst: »Es geht um unsere Freiheit, unser eigenes Regierungssystem zu wählen, unsere eigenen Führungskräfte zu wählen und unsere eigenen Ansichten zu äußern«, heißt es in seinem Onlinebeitrag weiter.

Eine Festnahme auch in Schottland

Auch im schottischen Edinburgh nahm die britische Polizei eine 22-jährige Frau fest. Medienberichten zufolge hielt sie ein handgeschriebenes Schild mit der Aufschrift: »Scheiß auf den Imperialismus. Abschaffung der Monarchie«. Der Vorfall ereignete sich vor der St. Giles Kathedrale, in der der Sarg der Königin seit Montag aufgebahrt wird.

In Edinburgh hielten Demonstranten Schilder mit den Aufschriften »Republik jetzt« und »Unsere Republik für eine demokratische Zukunft«. Während der Veranstaltung zur Proklamation des Königs waren laut »Guardian« Buhrufe zu hören.

col/Reuters
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