US-Gefangenenlager Früherer Vernehmer gesteht Folter in Guantanamo

»Was ich gemacht habe, war Folter«: Frühere US-Militärangehörige haben jetzt erstmals öffentlich eingestanden, dass Insassen im Gefangenencamp Guantanamo misshandelt wurden.
Blick in das Camp Guantanamo

Blick in das Camp Guantanamo

Foto: Alex Brandon / AP

Kurz vor dem 20. Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 hat ein ehemaliger US-Militärangehöriger Medienberichten zufolge Folter im US-Gefangenenlager Guantanamo zugegeben. »Was ich gemacht habe, war Folter. Zu hundert Prozent. Kein Zweifel«, sagte der Mann, der in Guantanamo für Verhöre zuständig war. Das berichten NDR und »Zeit« .

Er habe zum sogenannten Special Projects Team gehört, das im Sommer 2003 den Auftrag hatte, den Gefangenen Mohamedou Ould Slahi zum Reden zu bringen, schildert der Mann. Slahi wurde verdächtigt, mehrere Terrorpiloten des 11. Septembers rekrutiert zu haben.

Der frühere Guantánamo-Mitarbeiter räumte ein, dass er Slahi dazu gezwungen habe, stundenlang gebückt zu stehen. Außerdem sei der Häftling mit ohrenbetäubend lauter Musik und Lichtblitzen gequält worden, Hitze und Kälte ausgesetzt worden und mit körperlicher Gewalt bedroht worden. Die Journalisten von NDR und »Zeit« waren dabei, als der in den Berichten als Mister X bezeichnete Guantanamo-Mitarbeiter und Slahi einander nach 17 Jahren per Videoanruf wiedersahen.

In dem Gespräch sagte Mister X den Berichten zufolge zu Slahi: »Ich glaube noch immer, dass Sie ein Feind der Vereinigten Staaten sind. Aber was wir Ihnen angetan haben, war falsch, keine Frage. So etwas hat niemand verdient.« In den Jahren nach seinem Einsatz habe er unter einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung gelitten.

»Ich hasse mein Land dafür, dass es mich zu diesem Monster gemacht hat«, sagte Mister X den Medien weiter. Slahi habe geantwortet: »Ich vergebe Ihnen, so wie ich allen vergebe, die mir Schmerz zugefügt haben.«

Slahi war 14 Jahre lang in dem berüchtigten Gefangenenlager auf Kuba festgehalten worden, ohne je angeklagt worden zu sein (lesen Sie hier mehr ). Im Jahr 2016 wurde er freigelassen. In seinem Buch »Guantanamo-Tagebuch« schilderte er detailliert die Haftbedingungen in dem Gefangenenlager und warf den Behörden auch Folter vor.

als/AFP
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