Geheimes CIA-Gefängnis nahe Vilnius Litauen zahlt Guantanamo-Häftling Abu Subaida 100.000 Euro Entschädigung

Das baltische Land erlaubte der CIA zeitweise, den Guantanamo-Häftling Abu Subaida in einer Einrichtung außerhalb von Vilnius gefangen zu halten. Nun soll der Mann Geld bekommen – doch er sitzt noch immer in Haft.
Archivaufnahme des »ewigen Gefangenen« Abu Subaida

Archivaufnahme des »ewigen Gefangenen« Abu Subaida

Foto: AP

Litauen entschädigt den Guantanamo-Häftling Abu Subaida mit 100.000 Euro dafür, dass das Land dem US-Geheimdienst CIA zeitweise erlaubte, den Gefangenen in einer Geheimeinrichtung außerhalb der Hauptstadt Vilnius einzusperren. Das berichtet der »Guardian« . Demnach folgt Litauen mit der Zahlung einer Forderung, die der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) bereits vor mehr als drei Jahren gegen das Land gestellt hatte.

Abu Subaida, mit bürgerlichem Namen Zain al-Abidin Mohammed Hussein, soll von Februar 2005 bis März 2006 in dem Geheimgefängnis in Litauen eingesperrt gewesen und auch gefoltert worden sein. Der EGMR sprach dem Mann die Entschädigung zu, weil Litauen gegen europäisches Recht verstoßen habe, indem es der CIA erlaubte, Geheimgefängnisse und Folter im Land zu betreiben.

Abu Subaida gilt dem Bericht zufolge als einer der »ewigen Gefangenen« im US-Haftlager Guantanamo auf Kuba. Er war laut »Guardian« sechs Monate nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in Pakistan gefasst worden. Die damalige US-Regierung um George W. Bush und die CIA hatten seine Inhaftierung und Folter damit gerechtfertigt, dass er eine führende Figur der Terrorgruppierung Al-Qaida gewesen sei.

Später stellte sich jedoch heraus, dass Abu Subaida kein Teil der Gruppe war. Er wurde für seine vermeintliche Beteiligung an den Terroranschlägen auch nie angeklagt. Dennoch sitzt er seit inzwischen mehr als 20 Jahren in Haft, jahrelang wurde ihm jeglicher Kontakt zur Außenwelt verwehrt. Allein im August 2002 soll er mindestens 83 Mal mit dem berüchtigten »Waterboarding« misshandelt worden sein. Wie er im Rahmen der »erweiterten Verhörtechniken« der CIA gefoltert wurde, hatte er vor einigen Jahren bereits in verstörenden Zeichnungen dargestellt.

Laut Abu Subaidas Anwälten ist die Zahlung der Entschädigung durch Litauen ein Zeichen dafür, dass die USA ihre Position im Umgang mit den Guantanamo-Häftlingen ändern. »Die Situation ist viel weniger von der Außenwelt abgeschottet, wenn man 100.000 Euro an jemanden zahlt und die ganze Welt davon Bescheid weiß«, sagte Abu Subaidas Anwalt Mark Denbeaux dem »Guardian«. Abu Subaidas Anwälte vermuten dem Bericht zufolge, dass Litauen die Zahlung ohne Zustimmung aus Washington wohl nicht getätigt hätte.

Abu Subaida kommt nicht an das Geld

Zugriff auf das Geld hat Abu Subaida dem Bericht nach allerdings nicht, da er sich weiter in Haft befindet und seine Vermögenswerte in den USA eingefroren sind. Die Summe wurde laut dem Bericht auf ein Bankkonto überwiesen.

Die Entschädigung kommt wenige Tage vor dem 20. Jahrestag Guantanamos. Das Foltergefängnis hatte die ersten Häftlinge am 11. Januar 2002 aufgenommen.

fek
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