Uno-Generalsekretär in Odessa Guterres warnt vor Trennung von AKW vom ukrainischen Stromnetz

Auf seiner Ukrainereise besucht Uno-Generalsekretär António Guterres den Hafen von Odessa und macht sich ein Bild der Getreideexporte. Zudem reagiert er auf Gerüchte, Russland plane das AKW Saporischschja abzuschalten.
Guterres am Hafen von Odessa: Traurigkeit beim Anblick der leeren Terminals

Guterres am Hafen von Odessa: Traurigkeit beim Anblick der leeren Terminals

Foto: Valentyn Ogirenko / REUTERS

Uno-Generalsekretär António Guterres hat Russland aufgefordert, das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja nicht vom ukrainischen Stromnetz zu trennen. »Natürlich ist der Strom von Saporischschja ukrainischer Strom«, sagte Guterres auf einer Pressekonferenz in der Hafenstadt Odessa. »Dieses Prinzip muss voll und ganz respektiert werden.«

Zuvor hatte der ukrainische Kraftwerksbetreiber Energoatom im Onlinedienst Telegram entsprechende Befürchtungen geäußert: »Es gibt Informationen, dass die russischen Besatzer planen, den Betrieb der Reaktoren zu stoppen und sie von den Versorgungsleitungen des ukrainischen Energiesystems abzuschneiden.« Demnach sei das russische Militär auf der Suche nach Nachschub für Dieselgeneratoren, die nach dem Abschalten der Reaktoren aktiviert werden sollen, und hat den Zugang von Personal zum Gelände eingeschränkt.

Das seit März von Russland kontrollierte Atomkraftwerk im Südosten der Ukraine ist das größte in Europa. Es wurde bereits mehrfach beschossen. Für die Angriffe machen sich Moskau und Kiew gegenseitig verantwortlich. Guterres hatte die Angriffe am Donnerstag erneut als »selbstmörderisch« bezeichnet und eine entmilitarisierte Zone rund um die Atomanlage gefordert. In einem Gespräch mit Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron hatte sein Amtskollege Wladimir Putin seine Bereitschaft signalisiert, Experten der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) Zutritt zum Atomkraftwerk Saporischschja zu gewähren.

DER SPIEGEL

Lob für das Getreideabkommen

Der Uno-Generalsekretär hält sich seit Donnerstag zu einem zweitägigen Besuch in der Ukraine auf. Am Donnerstag traf er sich mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj und dem türkischen Machthaber Recep Tayyip Erdoğan zu einem Dreiergipfel, bei dem es auch um mögliche diplomatische Versuche ging, den Krieg zu beenden.

Derzeit macht sich Guterres in Odessa ein Bild vom kürzlich wieder aufgenommenen Getreideexport. Es sei ein Grund zur Freude, dass der Export von Nahrungsmitteln wieder aufgenommen sei, sagte er. Doch er empfinde auch Traurigkeit, »wenn ich in diesen wunderbaren Hafen und in diese Terminals schaue, die praktisch leer sind.«

Gleichzeitig lobte er das Abkommen, das die Kriegsparteien unter Vermittlung der Uno und der Türkei geschlossen hatten . In weniger als einem Monat seien bislang über 600.000 Tonnen Getreide in 25 Schiffen aus der Ukraine ausgefahren. Guterres betonte, dass der Zugang sowohl zu ukrainischen Lebensmitteln als auch zu russischen gewährleistet werden müsse. Mehr Nahrung und Düngemittel von der Ukraine und Russland zu erhalten, sei wichtig für die Warenmärkte und die Preise. Niemand habe erwartet, dass die Umsetzung der Initiative leicht werde.

mgo/AFP/dpa
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