Aktivisten der Protestbewegung von 2020 Haftstrafen für Oppositionelle in Belarus wegen »Terrorismus«

Es ist eines der härtesten Urteile, die in jüngster Zeit in Belarus verhängt wurden: Der Anführer der oppositionellen Gruppe Wjasna soll 25 Jahre ins Gefängnis.
Alexander Lukaschenko, Machthaber in Belarus

Alexander Lukaschenko, Machthaber in Belarus

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IMAGO/Valery Sharifulin / IMAGO/ITAR-TASS

In Belarus sind am Montag zwölf oppositionelle Aktivisten im Zusammenhang mit der Protestbewegung im Jahr 2020 wegen »Terrorismus und Hochverrats« zu hohen Haftstrafen verurteilt worden. Nikolaj Awtuchowitsch, der Anführer der Gruppe, wurde zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt, wie die Menschenrechtsorganisation Wjasna im Onlinedienst Telegram mitteilte. Das Urteil ist eines der härtesten, die in jüngster Zeit in dem weitgehend abgeschotteten Land verhängt wurde.

Awtuchowitsch wurden laut Wjasna unter anderem »terroristische« Handlungen, die Vorbereitung einer »terroristischen« Handlung durch eine organisierte Bande, ein versuchter Staatsstreich und Verrat vorgeworfen.

Von den anderen elf Angeklagten wurden neun zu 15 bis 20 Jahren Haft, einer zu sechs Jahren und einem Monat und einer zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Ermittler beschuldigten die Gruppe, im Oktober 2020 in Grodno im Westen von Belarus ein Auto und das Haus eines Polizisten angezündet und anschließend das Auto eines anderen in die Luft gesprengt sowie weitere Anschläge geplant zu haben.

Nach seiner erneuten Wiederwahl sah sich der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko im August 2020 mit einer beispiellosen Protestbewegung konfrontiert. Wochenlang gingen Zehntausende Menschen auf die Straße und forderten seinen Rücktritt. Die belarussischen Behörden beschuldigten den Westen, hinter den Protesten zu stecken. Sie schlugen die Protestbewegung nieder, verhafteten Tausende Menschen und zwangen weitere ins Exil, darunter die bekannte Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja.

1340 politische Gefangene in Belarus

Zahlreiche weitere Oppositionelle wurden im Zusammenhang mit Terrorvorwürfen angeklagt und festgenommen. Auch der Menschenrechtsaktivist, Wjasna-Chef und designierte Preisträger des Friedensnobelpreises 2022, Ales Beljazki, sitzt derzeit in Belarus im Gefängnis.

Wjasna ist eine der wichtigsten Nichtregierungsorganisationen in Belarus. Sie dokumentiert Menschenrechtsverletzungen, beobachtet Wahlen und spielt eine wichtige Rolle in der Demokratiebewegung im Land. Die NGO geht davon aus, dass es derzeit 1340 politische Gefangene in Belarus gibt.

til/AFP
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