Nach Attentat Vier Leibwächter von Haitis ermordetem Präsidenten festgenommen

Alle Personenschützer hatten die tödliche Attacke auf den haitianischen Präsidenten Jovenel Moïse unverletzt überstanden – das machte sie verdächtig. Jetzt gab es mehrere Festnahmen.
Sicherheitskräfte vor dem Tatort in Port-au-Prince

Sicherheitskräfte vor dem Tatort in Port-au-Prince

Foto: Joseph Odelyn / AP

Inzwischen ist ein ganzes Netzwerk an Verdächtigen, mutmaßlichen Drahtziehern und möglichen Mittätern des Mordanschlags auf den haitianischen Präsidenten Jovenel Moïse im Fokus der Ermittler. Darunter befinden sich auch dessen Personenschützer, nun wurden vier Mitglieder seiner Leibgarde festgenommen.

Unter den Festgenommenen ist der Leiter der Leibgarde, Dimitri Herard, wie der Polizeichef des Karibikstaats, Léon Charles, am Donnerstag mitteilte. Gegen 24 weitere Beamte werde ermittelt.

Alle anwesenden Mitglieder von Moïses Leibgarde hatten das von einem Mordkommando verübte Attentat vom 7. Juli unverletzt überstanden. Dies nährte bereits kurz nach dem Verbrechen den Verdacht, dass Leibwächter in die Attentatspläne eingeweiht und eingebunden gewesen sein könnten.

Die Polizei in Kolumbien teilte bereits vor einigen Tagen mit, dass Moïses Sicherheitschef Herard mehrfach in das südamerikanische Land gereist sei. Nach Angaben des kolumbianischen Polizeichefs Jorge Luis Vargas waren 26 Kolumbianer in das Attentat verwickelt. 18 von ihnen wurden demnach gefasst und drei von den haitianischen Sicherheitsbehörden getötet.

Viele Spuren führen nach Kolumbien

Laut Vargas gaben die festgenommenen Kolumbianer in Verhören an, sie seien mit dem Auftrag angeheuert worden, Moïse festzunehmen und an die US-Drogenbekämpfungsbehörde DEA zu übergeben. Zwei Kolumbianer mit Führungsrollen bei dem Angriff – von denen einer getötet wurde – hätten ihren anderen beteiligten Landsleuten gesagt, es handele sich um eine »Festnahmeoperation«.

Die kolumbianische Polizei kooperiert mit den haitianischen Behörden in den Ermittlungen zu dem Attentat.

Festgenommen wurden auch zwei Männer, welche die haitianische Polizei für Drahtzieher des Attentats hält. Bei einem von ihnen handelt es sich um Christian Emmanuel Sanon, der aus Haiti stammt und seinen Wohnsitz im US-Bundesstaat Florida hat. Sanon bezeichnet sich selbst als »Arzt«.

Laut Polizeichef Charles soll Sanon das Attentat aus »politischen Motiven« geplant haben. Er wird verdächtigt, 26 der Täter über eine in Florida ansässige venezolanische Sicherheitsfirma namens CTU rekrutiert zu haben.

Planänderung – von Festnahme zu Mord

Ursprünglich sei der Plan der Gruppe gewesen, Moïse festzunehmen, sagte Polizeichef Charles vor einigen Tagen. »Die Mission änderte sich dann.« Auch der zweite festgenommene Verdächtigte mit doppelter Staatsbürgerschaft Haitis und der USA soll zu CTU in Verbindung gestanden haben. Laut den jüngsten Angaben des haitianischen Polizeichefs soll das Attentat bei einem Treffen in der an Haiti angrenzenden Dominikanischen Republik geplant worden sein.

Moïse war nachts in seinem Haus in der Hauptstadt Port-au-Prince erschossen worden. Das Attentat hat Befürchtungen ausgelöst, dass der Karibikstaat weiter ins Chaos abgleiten könnte. Haiti ist das ärmste Land des amerikanischen Kontinents.

Trotz der Lage im Land wollen die USA keine Truppen nach Haiti schicken, um Haiti zu stabilisieren. Die Regierung des Karibikstaats hatte die einstige Besatzungsmacht zwar darum gebeten. Doch ein solcher Einsatz stehe derzeit nicht auf der Tagesordnung, sagte US-Präsident Joe Biden am Donnerstag im Weißen Haus. Man werde lediglich Marines zur Sicherung der US-Botschaft nach Haiti entsenden.

jok/asa/AFP/dpa
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