Jovenel Moïse Präsident von Haiti von Unbekannten ermordet

Mehrere Angreifer haben Haitis Präsident Jovenel Moïse auf seinem Anwesen angegriffen und erschossen. Das gab Premierminister Claude Joseph in Port-au-Prince bekannt.
Haitis Präsident Jovenel Moïse

Haitis Präsident Jovenel Moïse

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Alex Wong / Getty Images

Haitis Präsident Jovenel Moïse ist Regierungsangaben zufolge ermordet worden. Moïse sei am Mittwochmorgen in seinem Haus von einem Mordkommando getötet worden, teilte der scheidende Regierungschef Claude Joseph mit. Es handele sich um eine Gruppe bislang unbekannter Angreifer. Sie hätten in der Nacht die Privatresidenz des Präsidenten überfallen.

Auch die Frau des Präsidenten wurde bei dem Angriff demnach verletzt. Sie befindet sich im Krankenhaus. Joseph sprach laut der Nachrichtenagentur Reuters von einer »hasserfüllten, unmenschlichen und barbarischen Tat«. Er versprach zudem, dass alle Maßnahmen ergriffen würden, um »die Fortdauer des Staates und den Schutz der Nation zu gewährleisten«. Laut Reuters waren in der Hauptstadt Port-au-Prince Schüsse zu hören.

Der Nachrichtenagentur AP zufolge hatte es in dem Karibikstaat zuletzt wachsende politische Spannungen gegeben, Haiti leidet zudem seit Jahrzehnten unter Korruption und Armut. Auch die Schäden des verheerenden Erdbebens 2010 und des Hurrikans Matthew im Jahr 2016 machen dem Land weiter zu schaffen. Das Uno-Kinderhilfswerk Unicef warnte im Juni, dass in Haiti ohne dringende Hilfe in diesem Jahr voraussichtlich 86.000 Kinder im Alter von unter fünf Jahren an akuter Unterernährung leiden würden.

In Port-au-Prince war zuletzt zudem die Gewalt zwischen rivalisierenden Banden eskaliert. Hunderte Wohnhäuser und kleine Geschäfte gerieten nach den Auseinandersetzungen in Brand, Tausende Menschen wurden in die Flucht getrieben.

Mutmaßlicher Umsturzversuch gegen Moïse scheiterte im Februar

Im Februar hatten Sicherheitskräfte offenbar einen Staatsstreich gegen Moïse vereitelt. Mehr als 20 Personen seien festgenommen worden. Das Komplott habe darauf abgezielt, ihm nach dem Leben zu trachten, sagte Moïse später in einer Pressekonferenz, nannte aber keine weiteren Details.

Befürworter und Gegner Moïses hatten unter anderem darüber gestritten, wann dessen Amtszeit begonnen hat. In Haiti dauert die Präsidentschaft fünf Jahre und beginnt stets am 7. Februar nach den Wahlen. Die Präsidentschaftswahl im Oktober 2015, bei der Moïse im ersten Wahlgang gewählt worden war, wurde wegen Betrugs annulliert. Ein Jahr später wurde er in der zweiten Runde der Wiederholungswahl zum Sieger erklärt und schließlich am 7. Februar 2017 vereidigt.

Moïse machte daher geltend, dass seine Amtszeit erst 2017 begonnen habe, und er demnach noch weiter regieren dürfe. Moïse sah sich zudem Korruptionsvorwürfen ausgesetzt.

fek/mrc/AFP/Reuters/AP
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