Machtkampf nach Ermordung von Präsident Moïse Haitis Premierminister Claude Joseph tritt zurück

Ariel Henry sollte Haitis neuer Premierminister werden – doch nach der Ermordung des Präsidenten Jovenel Moïse übernahm Claude Joseph das Amt interimsmäßig. Nun will er zurücktreten.
Haitis Interims-Premier Claude Joseph: »Nicht an diesem oder irgendeiner Art von Machtkampf interessiert«

Haitis Interims-Premier Claude Joseph: »Nicht an diesem oder irgendeiner Art von Machtkampf interessiert«

Foto: ORLANDO BARRIA / EPA

Das krisengeplagte Haiti bekommt wohl bald einen neuen Premierminister. Wie der nach der Ermordung des Präsidenten Jovenel Moïse interimsmäßig regierende Premier Claude Joseph im Interview mit der »Washington Post « bekannt gab, wolle er zurücktreten. Der designierte Premier Ariel Henry, der von Moïse einen Tag vor dessen Tod ernannt, aber noch nicht vereidigt worden war, soll demnach die Macht übernehmen.

»Jeder der mich kennt weiß, dass ich nicht an diesem oder irgendeiner Art von Machtkampf interessiert bin«, wurde Joseph von der Zeitung zitiert. Er gebe die Macht »zum Wohle der Nation« ab. Präsident Moïse sei ein Freund von ihm gewesen. »Ich bin nur daran interessiert, dass er Gerechtigkeit bekommt«, so Joseph.

Regierungsvertreter bestätigten den Führungswechsel. »Die Verhandlungen laufen noch«, sagte etwa der für Wahlen zuständige Minister Mathias Pierre der Nachrichtenagentur AP. Joseph und Ariel äußerten sich demnach auf Anfrage von AP zunächst nicht. Auch ein Zeitpunkt für den Machtwechsel war zunächst nicht bekannt.

Moïse war am 7. Juli in seinem Haus in der Hauptstadt Port-au-Prince erschossen worden, auch seine Frau wurde schwer verletzt. Wer hinter dem Attentat steckt, ist weiterhin unklar, zuletzt wurden mehrere offenbar aus Kolumbien angeheuerte Söldner festgenommen, die an der Aktion beteiligt gewesen sein sollen. Auch mehrere Leibwächter Moïses waren zuletzt in Gewahrsam gekommen.

Haitis Polizeipräsident Léon Charles hatte am Freitag gesagt, die haitianischen Behörden arbeiteten mit internationalen Stellen wie der US-Bundespolizei FBI und Interpol zusammen, »um das Beweismaterial zu analysieren« und die »Drahtzieher des Attentats aufzuspüren«.

fek/Reuters/AP
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