Haiti Protestierende Polizisten attackieren Hauptquartier der Armee

Die Angreifer kamen mit Sturmgewehren, Brandsätzen und Tränengas: In Haiti haben Polizisten die Zentrale des Militärs angegriffen. Sie verlangen bessere Arbeitsbedingungen.
Ausschreitungen in Port-au-Prince: Die Lage eskaliert zusehends

Ausschreitungen in Port-au-Prince: Die Lage eskaliert zusehends

Foto: ANDRES MARTINEZ CASARES/ REUTERS

Seit Monaten fordern Haitis Polizisten Verbesserungen in ihrem Arbeitsalltag. Zum wiederholten Mal sind die Proteste nun gewaltsam eskaliert. Die Beamten attackierten das Hauptquartier der Armee.

Medienberichten zufolge gab es bei dem Angriff am Sonntag in der Hauptstadt Port-au-Prince mindestens sechs Verletzte. "Wir sind im Belagerungszustand", sagte Oberbefehlshaber Jodel Lessage der Nachrichtenagentur AFP. Das Hauptquartier werde mit Sturmgewehren, Brandsätzen und Tränengas attackiert. Die Soldaten schossen seinen Angaben zufolge zurück.

Angaben zur Zahl der Verletzten machte der General zunächst nicht. Er konnte auch nicht sagen, wie viele Menschen sich zum Zeitpunkt des Angriffs in dem Hauptquartier unweit des Präsidentenpalastes aufhielten.

Die Polizisten wollen insbesondere eine Gewerkschaft gründen, um besser mit der Polizeiführung verhandeln zu können. Vergangene Woche waren einige Polizeibeamte auf die Straße gegangen. Sie blockierten Straßen und setzten Autos in Brand. Während der Protestmärsche fielen in der Nähe des Präsidentenpalasts auch Schüsse. Wer diese abgegeben hatte, ist jedoch unklar. Zahlreiche Demonstranten trugen Polizeiuniformen, die meisten Teilnehmer hatten ihre Gesichter vermummt. Ihr Marsch führte sie von der gehobenen Wohngegend Delmas in Richtung des Palastes.

Neue Fonds sollen die Demonstranten beschwichtigen

Am Samstag hatte Präsident Jovenel Moïse mehrere Maßnahmen angekündigt, um die Polizistenproteste zu beenden. Es soll unter anderem einen Entschädigungsfonds für die Hinterbliebenen von im Dienst getöteten Polizisten und einen Versicherungsfonds geben.

Haiti gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Der Karibikstaat leidet immer noch an den Folgen des schweren Erdbebens vom 12. Januar 2010. Damals kamen mehr als 200.000 Menschen ums Leben. Mehr als 1,5 Millionen Haitianer wurden obdachlos.

jok/AFP

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