Himalaja Indien und China wollen Grenzstreit friedlich beilegen

Jahrzehnte nach ihrem Grenzkrieg 1962 streiten China und Indien im Himalaja weiter um Gebietsansprüche. Nun flammt der Konflikt neu auf - doch Neu-Delhi beteuert, man wolle das friedlich lösen.
Grenzregion Ladakh (Archivbild von 2016): Konflikt wieder aufgeflammt

Grenzregion Ladakh (Archivbild von 2016): Konflikt wieder aufgeflammt

Foto: Manish Swarup/ AP

China und Indien wollen ihren neu entflammten Grenzkonflikt offenbar friedlich lösen. Man sei militärisch und diplomatisch in Kontakt, um "Frieden und Ruhe im Grenzgebiet zu sichern", teilte das indische Außenministerium am Sonntag in Neu-Delhi nach Gesprächen hoher Militärs mit .

Die Gespräche der Kommandeure fanden in der Garnison in Maldo auf der chinesischen Seite der 3500 Kilometer langen und seit Jahrzehnten umstrittenen Grenze in der Himalaja-Region Ladakh statt. Anfang Mai war es im indischen Bundesstaat Sikkim zu Schlägereien und Steinwürfen zwischen Soldaten beider Seiten gekommen.

Mehrere Soldaten wurden verletzt. Daraufhin überschritten chinesische Streitkräfte nach Angaben indischer Behörden die Demarkationslinie in der weiter westlich gelegenen Region Ladakh. Als Reaktion habe Neu-Delhi Soldaten an die Grenze verlegt.

Die beiden benachbarten Nuklearmächte mit den größten Bevölkerungen weltweit hatten 1962 einen kurzen Krieg um ihre Grenze im Himalaja geführt, den China gewann. Seither gibt es immer wieder Zwischenfälle. US-Präsident Donald Trump hatte kürzlich angeboten, in dem Konflikt zu vermitteln, was beide Länder ablehnten.

Indiens Außenministerium beschrieb die Atmosphäre der Gespräche vom Samstag als "freundlich und positiv". Die Armeevertreter hätten darin übereingestimmt, dass eine "frühzeitige Lösung" entscheidend sei, um die bilateralen Beziehungen der beiden Staaten nicht zu belasten.

Dass die Gespräche so hochrangig besetzt waren, deutet auf die Ernsthaftigkeit des jüngsten Konflikts hin. Indische Beobachter sprechen von einer neuen Qualität in den Vorstößen und der Stationierung chinesischer Truppen. Beide Seiten haben ihre Streitkräfte in dem Gebiet verstärkt.

Hintergrund der jüngsten Spannungen könnte die Entscheidung Indiens vom vergangenen Jahr sein, das vor allem von Buddhisten bewohnte Ladakh von den übrigen, mehrheitlich muslimischen Jammu und Kaschmir abzutrennen und zu einem eigenen Bundesgebiet zu erklären, um seine Kontrolle zu verstärken. China hat dagegen scharf protestiert und von einer "Untergrabung" seiner territorialen Integrität gesprochen.

Mit Misstrauen beobachtet Peking ferner, wie sein Rivale Indien stärker an die Seite der USA und ihrer Verbündeten rückt, während Trump seine antichinesische Rhetorik verschärft. Auch wird Anstoß an dem Bau von Straßen und Brücken in dem umstrittenen Grenzgebiet auf indischer Seite genommen. Umgekehrt hat aber auch China seine Bautätigkeiten ausgeweitet, was Indien wiederum kritisiert.

Peking beansprucht etwa 90.000 Quadratkilometer eines Gebiets, das sich unter der Kontrolle Neu-Delhis befindet.

lov/AFP/dpa