Proteste gegen Hinrichtungen Millionen Iraner protestieren online gegen drei Todesurteile

Iranerinnen und Iraner fordern im Internet, drei zum Tode verurteilte Männer nicht hinzurichten. "Ich bin der Nächste, du bist der Nächste, wir sind die Nächsten", skandieren sie - und setzen die Regierung unter Druck.

"No to Execution" - Nein zur Hinrichtung, mit diesem Hashtag hat sich in Iran ein breiter Protest im Internet formiert. Millionen Iraner sprachen sich der Plattform Twitter zufolge in den vergangenen 24 Stunden gegen die Todesurteile gegen drei junge Iraner aus. Diese hatten an Demonstrationen im vergangenen Jahr teilgenommen.

Der landesweite Protest werde von weiten Teilen der iranischen Gesellschaft getragen. Unter ihnen sind auch prominente iranische Künstler wie der zweifache Oscar-gekrönte Filmemacher Asghar Farhadi. "Macht das traurige Leben der Iraner nicht noch bitterer... Nein zur Hinrichtung", schrieb Farhadi auf seiner Instagram-Seite.

"Ich bin der Nächste, du bist der Nächste, wir sind die Nächsten", lautete ein Meme, das online weitverbreitet war. #DontExecute - Keine Hinrichtung - war laut Twitter der am meisten genutzte Hashtag in Iran am Dienstagmittag auf Persisch. Iraner auf der ganzen Welt schlossen sich der Kampagne an. Auch auf den in Iran populären Plattformen Instagram und Telegram posteten Iranerinnen und Iraner dazu.

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Hintergrund der Onlineproteste ist ein Todesurteil gegen Amirhossein M., Saeid T. und Mohammad R. Das Urteil wurde laut Justizsprecher Gholam-Hussein Ismaili am Dienstag auch vom obersten Gericht des Landes bestätigt. Wann das Urteil vollstreckt werden soll, sagte der Sprecher nicht.

Die Verurteilten nahmen an Protesten im November 2019 teil

Die drei Männer hatten sich an den Protesten im November 2019 beteiligt. Damals hatte die Erhöhung der Benzinpreise zu tagelangen Unruhen in Iran geführt. Sicherheitskräfte waren gewaltsam gegen die Protestierenden vorgegangen . Die politische Führung bezeichnete die Demonstranten als bezahlte Söldner der iranischen Erzfeinde USA, Israel und Saudi-Arabien. Sie wollten aus Sicht Irans nicht gegen die höheren Benzinpreise protestieren, sondern mit Sabotageaktionen das iranische System schwächen oder gar stürzen.

Justizsprecher Ismaili wies auf einer Pressekonferenz jegliche Kritik am Urteil zurück. Die drei Männer seien gewaltbereite Anführer der Unruhen gewesen und hätten mehrere öffentliche Einrichtungen und Verkehrsmittel in Brand gesetzt. Ihre Aktionen hatten die Verurteilten auch mit dem Handy aufgenommen. Die Videos sah das Gericht als eindeutige Beweise an.

Ein Todesurteil ist in Iran nach Bestätigung vom obersten Gericht rechtskräftig. Laut Verfassung kann jedoch Irans oberster Führer, Ajatollah Ali Chamenei, auch rechtskräftige Urteile kippen.

Die iranische Regierung hat bislang keine genauen Angaben zu den Todesopfern der Proteste gemacht. Laut unbestätigten Berichten sollen 200 Menschen - Demonstranten und Polizisten - bei den Unruhen im vergangenen Jahr getötet worden sein. Ausländische Quellen sprechen von weitaus mehr Toten. Zudem wurden laut Iran damals über tausend Demonstranten verhaftet.

mst/dpa
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