Zwischenfall im Schwarzen Meer Augenzeuge berichtet von dramatischen Szenen auf der »HMS Defender«

London bestreitet, dass Russland Warnschüsse auf ein britisches Kriegsschiff im Schwarzen Meer abgefeuert hat. Ein BBC-Reporter war an Bord – und berichtet von massiven Versuchen, die »HMS Defender« vom Kurs abzubringen.
Die »HMS Defender« (Archivaufnahme)

Die »HMS Defender« (Archivaufnahme)

Foto: SERGEY SMOLENTSEV / REUTERS

Ein BBC-Reporter hat der Darstellung der britischen Regierung über den Zwischenfall im Schwarzen Meer um den Zerstörer »HMS Defender« widersprochen. Zwar bestätigten die Briten, dass es Schüsse gegeben habe. Doch sei das Feuer zuvor als russische Militärübung angekündigt worden. Es habe keine Schüsse und Bomben gegeben, die dem britischen Zerstörer gegolten hätten. Die britische Botschaft in Moskau bezeichnete Russlands Darstellung am Abend in einem russischsprachigen Telegram-Beitrag als »ungenau«. Das Schiff sei auf einer »friedlichen Durchfahrt durch ukrainische Gewässer« gewesen.

Das russische Verteidigungsministerium hatte zuvor mitgeteilt, es seien Warnschüsse auf die »Defender« nach einer Verletzung russischer Hoheitsgewässer abgegeben worden. Nach den Warnschüssen habe der britische Zerstörer die russischen Gewässer wieder verlassen. Der Zwischenfall ereignete sich demnach vor der Küste der Halbinsel Krim, die Russland 2014 annektiert hat.

Anders als die britische Regierung berichtete der BBC-Reporter Jonathan Beale , der an Bord des Zerstörers war, jedoch von massiven Versuchen russischer Flugzeuge und Schiffe, den Zerstörer von seinem Kurs abzubringen. »Zeitweise waren 20 (russische) Flugzeuge über dem Kriegsschiff«, sagte er in einem aufgezeichneten Telefonat. Es habe Warnungen der Küstenwache gegeben und auch Schüsse, die seien jedoch wohl außerhalb der Reichweite abgefeuert worden. Die »HMS Defender« habe trotzdem ihren Kurs beibehalten.

Das britische Kriegsschiff soll sich dort zu einem geplanten Manöver in den kommenden Tagen aufgehalten haben. Schon lange stört sich Russland an der Präsenz von Kriegsschiffen etwa aus den USA oder aus Großbritannien, obwohl diese Staaten keine Anrainer sind. Warnungen gab es oft von Russland, das immer wieder eine Luft- und Seegrenzen bedroht sieht. Doch dass tatsächlich gefeuert wird, ist beispiellos in der zuletzt verschärften Konfrontation des Westens mit Russland.

Großbritannien erkennt das Gewässer, in dem das Schiff unterwegs war, nicht als russisch an – und ist sich somit keiner Schuld bewusst. Ein Sprecher des britischen Premierministers Boris Johnson betonte zudem, die »Defender« habe die »direkteste Route« zwischen der Ukraine und Georgien eingeschlagen.

Moskau forderte eine Untersuchung und kündigte an, den britischen Botschafter einzubestellen.

als/AFP/dpa
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