Ägyptens Präsident Sisi zum Karikaturenstreit "Hört auf, uns zu verletzen"

Bei Mohammed-Karikaturen hört für ihn die Meinungsfreiheit auf: Nach wütenden Tönen aus der Türkei verurteilt auch Ägyptens Präsident Sisi die Zeichnungen. Ein führender Geistlicher fordert dazu entsprechende Gesetze.
Abdel Fattah al-Sisi und Emmanuel Macron bei einem Empfang in Kairo 2019

Abdel Fattah al-Sisi und Emmanuel Macron bei einem Empfang in Kairo 2019

Foto: LUDOVIC MARIN/ AFP

Im Streit über Karikaturen des islamischen Propheten Mohammed hat auch Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi die Zeichnungen verurteilt. "Propheten und Botschafter zu missbrauchen, ist eine Verachtung edler religiöser Werte", sagte er am Mittwoch bei einer Feier in Kairo. Die Grenze der Meinungsfreiheit solle seiner Meinung nach dort liegen, "wo die Gefühle von mehr als 1,5 Milliarden Muslimen verletzen werden." In seiner Rede sagte er: "Hört auf, uns zu verletzen."

Der Großimam von Kairo, Ahmed al-Tajib, forderte derweil von der internationalen Gemeinschaft eine Gesetzgebung, die die Diskriminierung von Muslimen unter Strafe stellt. Muslime sollten zugleich Hassreden mit friedlichen Mitteln und auf legalem Wege begegnen, mahnte er.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte die Veröffentlichung von Karikaturen - auch von religionskritischen - nach der Ermordung des Geschichtslehrers Samuel Paty als Teil der Meinungsfreiheit verteidigt. Paty hatte Karikaturen des Propheten Mohammed im Unterricht als Beispiel für Meinungsfreiheit gezeigt. Er wurde im Zusammenhang damit von einem Islamisten auf offener Straße enthauptet.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach nach Macrons Äußerungen von einer "Lynchkampagne" gegen Muslime in Europa und rief zum Boykott französischer Waren auf. Die ohnehin aufgeheizte Stimmung zwischen Frankreich und der Türkei verschlechterte sich damit weiter. Auch das islamisch-konservative Königreich Saudi-Arabien verurteilte die Zeichnungen als "beleidigend". Ein französischer Regierungssprecher bezeichnete die verbalen Attacken aus der Türkei am Mittwoch als "hasserfüllt".

Vor allem streng gläubige Muslime lehnen eine bildliche Darstellung des Propheten ab und empfinden sie als beleidigend. Explizit verboten ist sie im Koran nicht.

ire/dpa
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