Holocaust-Gedenktag in Israel Richard Lutz legt als erster DB-Chef Kranz in Yad Vashem nieder

Die Deutsche Reichsbahn spielte bei der Judenvernichtung eine entscheidende Rolle. Nun hat mit Richard Lutz erstmals ein Chef der Deutschen Bahn bei der zentralen Holocaust-Gedenkveranstaltung in Jerusalem der Toten gedacht.
Richard Lutz mit Kai Diekmann, Vorsitzender des Freundeskreises von Yad Vashem in Deutschland

Richard Lutz mit Kai Diekmann, Vorsitzender des Freundeskreises von Yad Vashem in Deutschland

Foto: Ilia Yefimovich / dpa

Richard Lutz hat am Donnerstag als erster Chef der Deutschen Bahn bei der zentralen Holocaust-Gedenkveranstaltung in Yad Vashem in Jerusalem einen Kranz niedergelegt. Der rot-weiße Kranz trug den Namen des Freundeskreises von Yad Vashem in Deutschland, dessen Mitglied Lutz ist. Israels Holocaust-Gedenktag steht in diesem Jahr unter dem Motto »Zugfahrten in den Untergang: Die Deportation der Juden während des Holocaust«.

Die Deutsche Reichsbahn spielte bei der Vernichtung der europäischen Juden eine entscheidende Rolle. Rund drei Millionen Menschen in Europa wurden von 1941 an mit Zügen zu den NS-Vernichtungsstätten gebracht – die meisten davon Juden, aber auch Sinti und Roma. »Der Vieh- oder Eisenbahnwaggon, das wichtigste Deportationsmittel, wurde damit eines der bekanntesten Symbole des Holocaust«, so Yad Vashem.

Es gilt als gesichert, dass die systematische Ermordung von Millionen von Menschen ohne die Reichsbahn nicht möglich gewesen wäre. Die »Sonderzüge in den Tod« waren für sie ein gewinnbringendes Geschäft. Oft mussten die Fahrtkosten von den Juden selbst bezahlt werden.

»Das beschämt uns bis zum heutigen Tag«

Im Januar vergangenen Jahres hatten sich die Fraktionen von Linke, Grünen und FDP im Bundestag hinter Forderungen zu Entschädigungszahlungen für die Bahntransporte von Holocaustopfern gestellt. Die heutige Deutsche Bahn ist allerdings nicht Rechtsnachfolgerin der Reichsbahn.

Das Unternehmen betont jedoch, es nehme unabhängig von rechtlichen Fragen seine »historisch begründete und gesellschaftspolitische Verantwortung wahr«. Man fördere daher die kritische Auseinandersetzung mit der Rolle der Reichsbahn im Nationalsozialismus und halte die Erinnerung an die Opfer der Deportationen und Zwangsarbeit wach.

Bei der Grundsteinlegung für einen Erweiterungsbau in Yad Vashem hatte Bahn-Chef Lutz bereits 2019 gesagt: »Wir haben als Deutsche Bahn natürlich nicht unmittelbar, sondern über die Deutsche Reichsbahn damals, einen ganz entscheidenden Anteil daran gehabt, wie das alles organisiert war. Das beschämt uns bis zum heutigen Tag.«

dop/dpa
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