»Apple Daily« in Hongkong Chinakritische Zeitung reagiert auf Polizeirazzia mit massiver Auflagenerhöhung

Jimmy Lai ist einer der prominentesten Kritiker der chinesischen Führung und Herausgeber des »Apple Daily« in Hongkong. Auf eine Razzia mit 500 beteiligten Polizisten reagiert das Blatt selbstbewusst.
Verkauf der massiv erhöhten Freitagsausgabe der »Apple Daily« in Hongkong

Verkauf der massiv erhöhten Freitagsausgabe der »Apple Daily« in Hongkong

Foto: JEROME FAVRE / EPA

Ein umstrittenes Sicherheitsgesetz in Hongkong erlaubt es der chinesischen Führung, unter dem Vorwand der Terrorabwehr umfangreich gegen demokratische Aktivitäten vorzugehen – und auch gegen Medien. Am Donnerstag hatten Beamte so eine Razzia bei der prodemokratischen Boulevard-Zeitung »Apple Daily« durchgeführt.

Nun reagiert die Zeitung auf die Repression mit einer enormen Auflagenerhöhung: Am Freitag liegen statt den üblichen 80.000 Exemplaren 500.000 Stück an den Kiosken in Hongkong. Das Blatt geht von einer starken Nachfrage der Leserinnen und Leser aus. Eine ähnlich hohe Auflage wurde auch nach der Verhaftung des Herausgebers Jimmy Lai, einem prodemokratischen Aktivisten und überzeugtem Peking-Kritiker, im vergangenen August gedruckt.

Auf der Titelseite der Freitagsausgabe berichtet das Blatt über die Razzia und gibt an, dass die Polizei 44 Festplattenlaufwerke als Beweismittel beschlagnahmte.

500 Polizisten gegen eine Redaktion

Rund 500 Beamte der Hongkonger Polizei hatten die Razzia wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das Sicherheitsgesetz durchgeführt. Fünf Führungskräfte der Zeitung wurden festgenommen, darunter auch der Chefredakteur. Polizisten durchsuchten zudem die Computer der Journalisten und inspizierten deren Telefone. Es war das erste Mal, dass die Polizei auf Basis des Sicherheitsgesetzes gegen ein Medium vorging. Die Polizei beschlagnahmte umgerechnet knapp zwei Millionen Euro an Vermögenswerten von drei Unternehmen, die mit »Apple Daily« in Verbindung stehen.

Gegen den wachsenden Einfluss Pekings hatte es in Hongkong 2019 monatelange Massenproteste gegeben. Als Reaktion darauf erließ die chinesische Führung im vergangenen Jahr das umstrittene Gesetz. Es erlaubt den Behörden in Hongkong ein hartes Vorgehen gegen alle Aktivitäten, die nach ihrer Auffassung Chinas nationale Sicherheit bedrohen – das Gesetz lässt ihnen dabei genug Handlungsspielraum, um gegen alle regierungskritischen Initiativen vorzugehen. Wer auf Grundlage des Gesetzes verurteilt wird, kann mit lebenslanger Haft bestraft werden.

Das Gesetz gilt als massivster Einschnitt in die Autonomie der ehemaligen britischen Kronkolonie, die ihr bei der Übergabe an China 1997 nach dem Prinzip »Ein Land – zwei Systeme« für mindestens 50 Jahre zugesagt worden war. Westliche Staaten werfen China vor, Bürgerrechte in Hongkong auszuhöhlen und die Demokratiebewegung mundtot machen zu wollen.

mrc/Reuters
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