Angebliche Verstöße gegen »Sicherheitsgesetz« Hongkonger Kardinal wegen Hilfsfonds angeklagt

Im Mai setzten Hongkongs Behörden den in ganz Asien bekannten Bischof Joseph Zen und weitere Anhänger fest. Nun steht die Gruppe vor Gericht – angeblich soll sie politische Unruhen unterstützt haben.
Kardinal Joseph Zen (l.) auf dem Weg zur Verhandlung

Kardinal Joseph Zen (l.) auf dem Weg zur Verhandlung

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PETER PARKS / AFP

Der pensionierte Hongkonger Kardinal Joseph Zen muss sich gemeinsam mit fünf weiteren Mitgliedern der prodemokratischen Bewegung vor Gericht verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, gegen das von China installierte umstrittene sogenannte nationale »Sicherheitsgesetz« verstoßen zu haben.

Die Gruppe um den 90-jährigen Kardinal war bereits im Mai festgenommen worden. Konkret soll sie unter dem Deckmantel eines Hilfsfonds Aktivistinnen und Aktivisten der Antiregierungsproteste in Hongkong finanziell unterstützt haben. Chefankläger Anthony Chau sagte zum Auftakt der Verhandlungen, der Fonds sei für »politische Aktivitäten« wie das Erheben von Umfragen und Aktivitäten rund um Massenproteste zweckentfremdet worden. Insgesamt soll der Hilfsfonds rund 270 Millionen Hongkong-Dollar (35,7 Millionen Euro) gesammelt haben.

In ganz Asien berühmt

Die Beschuldigten bestreiten die Vorwürfe. Die Höchststrafe für sie liegt bei 10.000 Hongkong-Dollar, umgerechnet 1300 Euro. Zen ist einer der hochrangisten christlichen Kleriker in Asien. Neben ihm sind unter anderem auch die ehemalige Oppositionsabgeordnete Margaret Ng und die Sängerin Denise Ho angeklagt.

Der Kleriker setzt sich seit Langem für demokratische Anliegen in Hongkong und auf dem chinesischen Festland ein. Er hat sich gegen Chinas zunehmenden Autoritarismus unter Präsident Xi Jinping sowie die Drangsalierung von Christen in China ausgesprochen.

Die Anklage erfolgt auf Basis des international kritisierten »Sicherheitsgesetzes«. Im Sommer 2020 hatte Peking die drakonischen Strafen für seine Sonderverwaltungsregion Hongkong erlassen, sie schränken die politischen Rechte der Bevölkerung stark ein. Viele Anhänger der Opposition wurden seither entweder verhaftet, haben sich aus der Politik zurückgezogen oder sind ins Ausland geflohen.

mrc/AP/Reuters
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