Abwanderung aus Sonderverwaltungszone Hongkong verzeichnet größten Bevölkerungsschwund seit Beginn der Aufzeichnungen

Ein harter Coronalockdown und zunehmende Repressionen aus Festlandchina: Zehntausende Menschen haben im vergangenen Jahr Hongkong verlassen. Die Behörden verweisen auf sinkende Geburtszahlen – Experten bezweifeln das.
Regen in Hongkong: Die Taifonsaison in der Region läuft

Regen in Hongkong: Die Taifonsaison in der Region läuft

Foto: Kin Cheung / AP

Die Bevölkerung in der einstigen britischen Kronkolonie Hongkong schrumpft deutlich. Wie Medien übereinstimmend unter Berufung auf Daten der Regierung berichteten, sank die Einwohnerzahl zwischen Mitte 2021 und Mitte 2022 um 121.500 Menschen. Nun leben demnach noch 7,291 Millionen Menschen in der Großstadt, ein Rückgang von 1,6 Prozent. Laut CNN  ist es der größte Bevölkerungsschwund seit Beginn der Statistik im Jahr 1961.

Den Behörden zufolge hat der Rückgang eine »natürliche« Ursache: In dem Zeitraum seien mehr Menschen gestorben als neu geboren worden. Doch laut CNN äußern Experten an dieser Version Zweifel. Demnach hätten die strikten Maßnahmen gegen die Coronapandemie, darunter Einschränkungen beim Flugverkehr, drastische Quarantäneregeln nach der Einreise und Beschränkungen für die Gastronomie noch Bestand gehabt, als im Rest der Welt wieder flächendeckend Lockerungen in Kraft traten.

Hongkonger Handelskammer übt Kritik – Stadt will reagieren

Wirtschaftsvertreter hatten dem Bericht zufolge bereits während der Hochphase der Pandemie davor gewarnt, die drastischen Maßnahmen könnten in der Stadt lebende Ausländer und Touristen aus der Stadt treiben. Auch auf die Wirtschaft in der Stadt hatten die Maßnahmen einen deutlichen Einfluss. »Mehr als zweieinhalb Jahre Restriktionen wegen Covid-19 haben Unternehmen und die Wirtschaft schwer belastet«, teilte Hongkongs Handelskammer zuletzt mit.

Die Behörden räumten laut CNN zuletzt ein, dass die Coronamaßnahmen einen Einfluss auf die Bevölkerungsentwicklung hatten. Demnach sei durch die Einschränkungen beim Fliegen der Bevölkerungszustrom kleiner gewesen. Zugleich verwiesen die Behörden darauf, dass die Bevölkerung in der Stadt seit jeher »mobil« gewesen sei und in den vergangenen zehn Jahren stets Bevölkerungsrückgänge verzeichnet worden seien. Mit Aufhebung der Maßnahmen solle die Entwicklung umgekehrt werden.

Opposition setzt sich ins Ausland ab

Zahlreiche Menschen dürften die Stadt auch aus politischen Gründen verlassen haben. Peking hatte seinen Einfluss auf die Sonderverwaltungszone in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut. Mit dem drakonischen »Sicherheitsgesetz« werden Demokratieaktivisten verfolgt und teilweise lange Haftstrafen vollstreckt. 

Zuletzt kam mit John Lee ein besonders pekingtreuer Beamter als neuer Hongkonger Regierungschef an die Macht. Er war bereits als Sicherheitschef maßgeblich für die Niederschlagung der prodemokratischen Bewegung verantwortlich. Auf der Flucht vor Repressionen sind viele Demokratieaktivisten ins Ausland geflüchtet, viele davon wegen einer Passregelung nach London und Großbritannien. 

fek
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