Schäden durch Hurrikan »Ian« Stromausfälle schüren Wut auf Kubas Regierung

Am Dienstag zog Hurrikan »Ian« über Kuba hinweg – und noch immer sind Millionen Menschen ohne Strom. In Havanna gab es deshalb nun Demonstrationen gegen die Regierung.
»Schaltet die Lichter an«: Demonstration in Havanna

»Schaltet die Lichter an«: Demonstration in Havanna

Foto: Alexandre Meneghini / REUTERS

Auf den Straßen Havannas regt sich der Protest gegen die Regierung. Grund sind die anhaltenden Stromausfälle in der Stadt. Nach offiziellen Angaben sind nach dem Durchzug von Hurrikan »Ian« noch immer 40 Prozent der Haushalte in Havanna, einer Stadt mit mehr als zwei Millionen Einwohnern, ohne Stromversorgung.

Auch das Internet bricht immer wieder zusammen. Am Samstag konnte in Havanna bis etwa 4 Uhr morgens weder per Handy telefoniert noch Nachrichten verschickt werden. Regierungskritiker erheben den Vorwurf, der Kommunikationsausfall sei gezielt eingesetzt worden, um die Proteste zu unterdrücken.

Allein im Stadtteil Playa versammelten sich mehrere Hundert Menschen zum Protest. Sie riefen »Schaltet die Lichter an« und skandierten Parolen gegen die Regierung. Sicherheitskräfte hinderten die Demonstrierenden am Weiterkommen.

Später zog eine ebenso große Gruppe von Regierungsanhängern über den Hauptboulevard des Stadtteils. Die Männer, von denen viele Jeans und T-Shirts trugen, waren mit Stöcken, Baseballschlägern oder Holzstücken bewaffnet und riefen »Ich bin Fidel«, eine Anspielung auf den verstorbenen ehemaligen Staatschef Fidel Castro. Zusammenstöße oder Verhaftungen wurden nicht beobachtet.

»Das Essen unserer Kinder ist bereits verrottet, und sie haben nichts mehr zu essen.«

Andres Mora, Demonstrant in Havanna

Die Behörden erklärten am Freitag, sie hofften, dass die Beleuchtung in den meisten Teilen Havannas bis zum Ende des Wochenendes wieder eingeschaltet werden könne. »Es ist wie in der Hölle«, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen betroffenen Anwohner. »Deshalb sind wir auf der Straße, und wir werden weiter auf die Straße gehen.«

Demonstrierende fordern Menschen in einem Linienbus auf, sich den Protesten anzuschließen

Demonstrierende fordern Menschen in einem Linienbus auf, sich den Protesten anzuschließen

Foto: ALEXANDRE MENEGHINI / REUTERS

Während der Demonstration ging der Strom in einigen Wohnhäusern und Wohnblocks plötzlich wieder an. »Wenn die Leute protestieren, ja, dann machen sie das Licht an«, sagte Andres Mora, ein anderer Demonstrierender. »Aber das Essen unserer Kinder ist bereits verrottet, und sie haben nichts mehr zu essen.«

Die anhaltenden Stromausfälle in Kuba sind für viele Einwohner besonders ärgerlich, weil die Beschaffung grundlegender Güter – einschließlich Lebensmitteln, Kraftstoff und Medikamenten – oft stundenlanges Anstehen in der Sonne bedeutet. Auch außerhalb Havannas sind weite Teile der Insel noch immer im Dunkeln, da Strommasten und -leitungen repariert und Bäume von den Straßen entfernt werden müssen.

vet/Reuters
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