Österreich Drahtzieher des Ibiza-Videos muss wegen Drogendeals ins Gefängnis

Er führte mit seinem Undercover-Video den Sturz der österreichischen Regierung um Heinz-Christian Strache herbei. Nun muss der Privatdetektiv Julian Hessenthaler in Haft. Ein Gericht befand ihn unter anderem des Kokainhandels schuldig.
Julian Hessenthaler im Gericht in St. Pölten

Julian Hessenthaler im Gericht in St. Pölten

Foto: IMAGO/photonews.at/Georges Schneider / IMAGO/photonews.at

In Österreich ist der Drahtzieher des Ibiza-Videos unter anderem wegen Drogenhandels zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt worden. Das Landgericht in St. Pölten sah es am Mittwoch als erwiesen an, dass der Privatdetektiv Julian Hessenthaler 2017 und 2018 insgesamt 1,25 Kilogramm Kokain an insgesamt drei Orten in Niederösterreich, Salzburg und Oberösterreich an einen Bekannten übergeben hat.

Der Strafrahmen dafür betrug bis zu 15 Jahre Haft. Außerdem wurde er wegen Urkundenfälschung schuldig gesprochen. Die Verteidigung meldete Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an, die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab. Damit ist das Urteil nicht rechtskräftig.

Der 41-Jährige hatte jegliche Schuld bestritten. »Es gibt keine Sachbeweise«, sagte er kurz vor dem Urteil. Der Angeklagte warf den Behörden einseitige Ermittlungen vor. Hessenthaler gilt als Schlüsselfigur in der Ibiza-Affäre.

Im Sommer 2017 hatte er den Ex-FPÖ-Chef Strache und seinen Parteifreund, den späteren FPÖ-Fraktionschef Johann Gudenus, zu einem Treffen mit einer vermeintlichen Oligarchennichte auf Ibiza eingeladen. Die Frau hatte dabei vorgegeben, Millionen in Österreich investieren und damit der FPÖ an die Spitze verhelfen zu wollen.

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Strache zeigte sich dem nicht abgeneigt, fantasierte über fragwürdige Deals und wirkte so anfällig für Korruption. Zwei Jahre später wurde ein Zusammenschnitt von Straches Aussagen von SPIEGEL und »Süddeutscher Zeitung« veröffentlicht. Strache trat später von allen Ämtern zurück, Österreich stürzte in eine schwere Regierungskrise und die ÖVP-FPÖ-Koalition zerbrach.

fek/dpa
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