Schwarzer Aktivist rettet rechten Demonstranten "In so einem Moment denkst du nicht. Du tust einfach, was du tun musst"

Die Aufnahme ist schon jetzt ikonisch: Der schwarze Aktivist Patrick Hutchinson trägt in London einen mutmaßlich rechten Demonstranten inmitten von Krawallen in Sicherheit. Nun hat er sich zu seiner Motivation geäußert.
Aufnahme der Rettungsaktion: "Wir haben versucht, den Mann abzuschirmen und Schlimmeres zu verhindern"

Aufnahme der Rettungsaktion: "Wir haben versucht, den Mann abzuschirmen und Schlimmeres zu verhindern"

Foto: DYLAN MARTINEZ/ REUTERS

Der Vorfall ereignete sich nahe der Waterloo Bridge, mitten in London. Dort waren am Samstag "Black Lives Matter"-Aktivisten und rechte Gegendemonstranten aneinandergeraten. Es kam zu Prügeleien, die Lage war extrem unübersichtlich. Als einer dieser Gegendemonstranten zu Boden ging, schritt plötzlich Patrick Hutchinson ein. Er schnappte sich den sichtlich benommenen Mann, dessen Identität bisher noch nicht bekannt ist, und trug ihn über seine Schulter gelegt in Richtung von Polizisten.

Die Aufnahmen der Rettungsaktion verbreiteten sich am Wochenende rasch in den sozialen Netzwerken. Hutchinson wird dort als Held gefeiert, der Moment als Symbol für Menschlichkeit und Zivilcourage.

Nun hat sich auch Hutchinson selbst geäußert: "Sein Leben war in Gefahr. Also bin ich runter, hab ihn aufgehoben und auf meine Schulter gelegt und bin mit ihm in Richtung der Polizei gelaufen", sagte er dem britischen Sender Channel 4. "In so einem Moment denkst du nicht. Du tust einfach, was du tun musst."

DER SPIEGEL

Laut britischem "Guardian"  waren Hutchinson und seine Freunde bei den Protesten anwesend, um nach eigenen Angaben "für Sicherheit zu sorgen". Mitglieder der Gruppe sollen diverse Kampfsportarten beherrschen und auch in der Security-Szene tätig sein. Über den Geretteten ist wenig bekannt, Augenzeugen rechneten ihn aber der Gruppe rechter Demonstranten zu.

Der Retter zieht Parallelen zum Tod von George Floyd

Hutchinson, von dem nur öffentlich wurde, dass er Fitnesstrainer ist und Enkelkinder hat, zog Verbindungen zwischen seinem Einschreiten und dem Tod von George Floyd am 25. Mai in der US-Stadt Minneapolis: "Wenn die anderen drei Polizisten, so wie wir, eingeschritten wären und ihren Kollegen gestoppt hätten, wäre George Floyd noch am Leben."

Floyd war gestorben, weil ein weißer Polizist fast neun Minuten lang auf seinem Nacken gekniet hatte. Die anderen Beamten ließen die Tat geschehen. Der brutale Akt hat weltweit für Empörung und teils gewalttätige Demonstrationen gesorgt.

Auch die anderen Mitglieder von Hutchinsons Gruppe kamen zu Wort. "Ich beschütze nicht ihn", sagte Jamaine Facey, einer der Männer, die unter anderem den Kopf des verletzten mutmaßlichen Rechten schützten, "ich beschütze unsere Kinder und ihre Zukunft. Weil ich weiß, wie ein Richter die Situation gesehen hätte."

Chris Otokito schließlich beschreibt den Vorfall so: "Wir haben gesehen, dass die Situation eskaliert. Wir haben versucht, den Mann abzuschirmen und Schlimmeres zu verhindern. Patrick hat die Lage sofort durchblickt, ihn geschnappt und versucht, ihn an einen sicheren Ort zu bringen."

jok